4.2

Als er fünf Minuten später aus dem Marmor-Spiegel-Saal kam, zu dem Kati ihre geräumige Nasszelle aufgeblasen hatte, seine ganze Schönheit nur durch ein Badetuch verdeckt, saß sie immer noch in voller Militärmontur auf dem bunten New-Wave-Sofa.

„Das ist unfair“, sagte er, und genauso meinte er es auch.

„Ich dachte, du wolltest zusehen“, sagte Kati.

Sie stand auf, nahm seinen Kopf zwischen ihre Hände und küsste ihn. Nach diesem schnellen Vorspiel fasste ihre Hand abrupt zwischen seine Schenkel. Irgendwie war alles verkehrt herum. Sie zog ihm das Handtuch von den Hüften. Er hatte das Gefühl, einen Crash-Kurs in weiblichem Chauvinismus zu absolvieren, und kam sich schwer ausgenutzt vor.

„Total beknackt, die Frau …“, murmelte er halblaut.

Kati tat so, als sei sie schwerhörig. Ungeduldig zog sie ihn ins Schlafzimmer. Es bestand aus einem eisernen schwarzen Bettgestell samt schwarzem Satinbelag sowie vier nackten, geweißten Wänden, angefärbt von einer grellen blauen Neonröhre. Kein Stück Teppich lag auf den abgezogenen Dielen, kein Bild verunzierte die Wände. Bei diesem Anblick musste jedem Gefängnisdirektor das Herz höher schlagen. Gegen Kati allerdings konnte man sagen, was man wollte: Nachdem sie sich einmal entschlossen hatte, verlor das Mädchen keine Zeit mehr. Zielstrebig bugsierte sie ihre Eroberung auf das einzige Möbel. Dann machte sie sich über sich selbst her.

Erst als sie Hose und T-Shirt auszog, bemerkte Mann, wie spindeldürr sie war. Er war einfach vorher nicht dazu gekommen, sie abzutasten. Sie hatte keine Waden, Streichholz-Schenkel, einen Nix-Po, Null-Brüste.

Aber eine breite schnelle Zunge und eine gute harte Matratze, die sie, beide sehr erschöpft, nur kurz strapazierten.