4.2

Gegen Mittag wachte Harry Mann auf, weil die Sonne auf dem Fenster stand. Er lag allein im Bett. Das halbwegs lebenswerte Sommerwetter weckte, bevor es sich endgültig verabschiedete, bei allen Leichtgläubigen noch einmal falsche Hoffnungen. Plötzlich war es wieder ein viel zu warmer Tag für den heraufziehenden deutschen Herbst.

Kati rannte nackt durch die Wohnung, die Wendeltreppe zum Dachgeschoß rauf und runter. Weil da bei ihr nichts war, was hätte hängen können, war das trotz ihres Alters ein angenehmer Anblick. Sie kochte Kaffee und deckte den Tisch im Wintergarten vor der Dachterrasse, von der aus der Blick über den Viktoria-Luise-Platz ging. Nach einer Weile rief sie ihre nächtliche Beute hoch zu einem sonnigen Freikörper-Frühstück.

Mann graute ein wenig vor den gegenseitigen biographischen Konfessionen, wie sie an einem solchen Morgen danach unvermeidlich waren. Es dauerte auch prompt nicht lange, und Kati erwähnte ihren geschiedenen Mann, einen Industriedesigner, der sich inzwischen nach Amerika abgesetzt hatte.

Als Mann sie fragte, ob der arme Kerl für all das hier bezahlte, zog sie ein böses Gesicht.

„Okay“, sagte sie, „ich hab’ nicht ganz die Wahrheit erzählt.“

„Nicht geschieden? Kommt er gleich rein?“ Mann hatte allmählich die Schnauze voll von Eheszenen.

„Nein“, sagte sie, „das nicht. Aber ich arbeite an keiner Volkshochschule.“

„Sondern?“

„Hmmh, darüber spreche ich eben nicht gerne, ich meine, wenn ich jemand gerade erst … Den meisten ist das nicht geheuer …“

„Nun mach’s nicht so spannend.“

„Ich bin“, sagte sie, „Psychoanalytikerin.“

„Dann hätten wir’s nicht im Bett machen sollen …“

„… sondern auf der Couch! Hah, hah“, Kati verzog ihr Gesicht, „was meinste, wie oft ich diesen dummen Spruch schon gehört habe?“

„Ich hab’ dich nicht nach den Männern vor mir gefragt.“

„Aber du würdest sicher gerne erfahren, wie’s bei den anderen war …“