4.3

Peter vielleicht? Würde Peter ihm helfen können? Würde er es überhaupt wollen? Und falls er dazu bereit wäre, wie sollte er ihm helfen? Und wie, bei aller Liebe und bei aller Freundschaft, wie konnte Mann ihm einen Mord, nein, drei Morde beichten? Das ging einfach zu weit, da hörte die Freundschaft auf. Oder? Wie würde er sich verhalten, im umgekehrten Fall?

Eben.

Es gab niemanden, der ihm helfen konnte. Und es gab nichts, nichts, was er tun konnte. Er hatte keine Wahl. Er musste hören, was die „Stimme“ verlangte, und dann musste er tun, was sie verlangen würde. Einen anderen Ausweg gab es nicht.

Er stand auf und schaltete den Fernseher ein. Die Abendschau begann. Die mollige Präsidentin irgendeines skandinavischen Staates trippelte Treppchen hoch und runter, mal am Flughafen, mal an der Mauer, mal am Rathaus Schöneberg. Mann wartete. Vergeblich. Der mufflige Abendschau-Sprecher sah drein wie der Ehemann, von dem sich jede vernünftige Frau schon immer scheiden lassen wollte. Mann hielt bis zum bitteren Ende durch. Nichts vom Doppelmord im Kempinski. Um über den Stand der Ermittlungen zu berichten, waren sich die öffentlich-rechtlichen Langeweiler mal wieder zu fein. Aus Gründen, die er nicht nachvollziehen konnte, erhielt jeder monotone und folgenlose Staatsbesuch mehr Aufmerksamkeit als das bedeutendste Verbrechen.

Aber wo der Kasten schon mal lief, wartete Mann die Tagesschau ab. Sie brachte die übliche Mischung aus Bonner Mief und exotischen Kriegen und immer noch nichts, das auch nur eine Spur von Ähnlichkeit mit den Problemen hatte, die Harry Mann, Bundesbürger, achtunddreißig Jahre alt, nicht erst seit seinem ersten Mord plagten. Mann schaltete aus.

Er wusste nichts mit sich anzufangen.

Er setzte sich wieder auf das Sofa und starrte hinaus in den leeren grauen Himmel. Der Himmel war leer und grau. Und allmählich wurde er bläulich, und noch allmählicher versank er in der heraufziehenden Dämmerung.