4.5

Als Harry Mann das nächste Mal die Augen öffnete, zeigte sein Wecker kurz vor zwölf. Das Licht, das durch die Spalten der Jalousien drang, verriet, dass dieser frühe September-Mittwoch ein heller, fast sonniger Tag war. Mit ungewohnter Entschlossenheit quälte er sich aus dem Bett, verzichtete darauf zu duschen und stiefelte in Jeans und T-Shirt zu der Batterie verrosteter Briefkästen, die im Aufgang zum Vorderhaus hingen.

Die „Stimme“ hatte Wort gehalten. Zwischen dem hektographierten Reklamezettel einer benachbarten Fußpflegerin und einem voluminösen Wochenblatt, das den Schlitz verstopfte, steckte ein weißer Din-A4-Umschlag, unfrankiert, ohne Anschrift oder Absender.

Harry Mann zögerte, den Brief aufzureißen.

Wenn er enthielt, was die „Stimme“ angekündigt hatte, würde sich der vage Schrecken der Erpressung, der unwirkliche Alptraum des Ausgeliefertseins, mit einem Schlag in Alltag verwandeln, in stinknormalen hektischen Alltag, angefüllt mit Warten und rastlosen Reisevorbereitungen, mit besorgten Überlegungen und gedankenlosen Besorgungen. Mit Überleben.

Mann stieg hoch in seine Wohnung, machte sich einen Cappuccino, toastete zwei alte Scheiben Graubrot und schmierte ein wenig von der gelben Butter darauf, die seit Wochen offen im Kühlschrank stand. Vor-Kelling-Butter.