4 Die Stimme eines Herrn

Nach zwei, drei Minuten, als die Straße leicht bergab führte, begann sein Verfolger, ihn mit der Lichthupe zu scheuchen. Also klappte Mann den Rückspiegel auf Abblendstellung und ging langsam auf siebzig runter und hoffte, der Laster würde Peters Cabrio demolieren.

Er hoffte vergeblich. Brummi betätigte seine Lichthupe einmal zuviel. Aus einem Feldweg vor ihnen tauchte ein Vopo auf und schwenkte einen weißen Leuchtstab. Mann fuhr noch langsamer, der Laster ging auf Abstand. Das Cabrio wurde vorbei gewunken, der Lastwagen musste halten.

Zehn Minuten später erreichte Mann den Vorcheck am Grenzübergang. Die Abfertigung dauerte eine knappe Viertelstunde, während der er beschloss, gar nicht erst zu Hause vorbeizufahren.

Als er das breite, schnurgerade Band der Heerstraße hinter sich gelassen hatte, bog er am Theodor-Heuss-Platz rechts in die Masurenallee und fuhr dann die Kantstraße hinunter bis zur Leibnizstraße. Er machte einen Schlenker um den Block, sah keine Spur von Peters Mercedes, wendete und fuhr weiter hinauf zum Olivaer Platz.

Es ging auf acht Uhr. Das „Vaterland“ war an diesem frühen Montagabend recht leer. Nur an vier, fünf der drei Dutzend Tische saßen ein paar Leute, meist einzelne Paare. Peter hockte auf einem der Aluschwinger an der Theke.

„Halloohallo“, sagte er müde und musterte ihn mit vagem Wohlwollen. „Gott sei’s getrommelt, dass sie dir endlich die Schamhaare aus’m Gesicht operiert haben.“

„Gefällt’s dir?“ Mann strich sich über das ungewohnt glatte Kinn.

„Naja, is’ halt alles relativ.“

Mann konnte nicht ausmachen, ob sein Freund nur ein anstrengendes Wochenende hinter sich hatte oder ob er ernsthaft schlechtgelaunt war.

„Danke der Nachfrage“, sagte er übertrieben ironisch. „Es war nett in Hamburg. Natürlich, Wolf lässt dich grüßen.“

Peter winkte ab.