4 Die Stimme eines Herrn

„Ja, sicher“, sagte Mann, „ich hatte eine gute Fahrt. Der Wagen steht heil vor der Tür.“

„Vergiss die Karre“, knurrte Peter. „Also, wie war’s nun in Hamburg?“

„Hmmh“, sagte Mann.

Peter fragte kein zweites Mal. Es interessierte ihn nicht wirklich.

„Hätte Lust, den Laden zu verkaufen“, sagte er statt dessen nach einer kleinen Pause. „Auswandern sollte man.“

„Hmmh“, sagte Mann.

„Was willsten trinken?“ fragte Peter.

„Pernod.“

„Zwei Pernod“, rief Peter in Richtung Küche.

In der Schwingtür hinter der Theke erschien ein Kopf. Es war ein dünner spitzer Kopf, und er bestand vor allem aus einem feuerroten Mund, einer schmalen Nase und langem blonden Haar. Das „Vaterland“ hatte eine neue Bedienung.

„Wie wollt ihr’s ?“ fragte der feuerrote Mund.

„Einer auf Eis, einer mit Wasser“, sagte Mann.

„Genau so.“ Peter nickte.

Der blonde Kopf mit dem feuerroten Mund verschwand wieder in der Küche. Mann überlegte, wie der Körper darunter aussehen mochte.

„Versteckt ihr den Pernod neuerdings in der Küche?“

Peter winkte ab. „Lass die Kleine! Is’ ihr erster Tag.“

Er schien heute in ungewöhnlich milder Stimmung, kaum wiederzuerkennen, fast schon resigniert. Normalerweise bestand er lautstark darauf, dass seine Bestellungen sofort ausgeführt wurden. Erst der Chef, dann die Gäste. Mann überlegte, ob sein Freund in die Blonde verschossen war.

„Haste was mit der?“

Peter sah ihn überrascht an. „Mit wem?“

„Mit der Kleinen?“

„Welcher Kleinen?“

„Komm, stell dich nicht blöd …“ Mann zeigte in Richtung Küche.

„Ach …“ Peter schaute ehrlich überrascht. „Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen.“