4 Die Stimme eines Herrn

„Pech gehabt, Alter“, sagte Peter, als sie beim Nachtisch angelangt waren. „Ich meine, was die Sache mit Kelling betrifft. Aber dir kann natürlich nichts passieren.“ Er sah Mann prüfend von der Seite an. „Du hast ja einen gültigen Vertrag.“

Mann fiel jetzt erst auf, dass sie zum ersten Mal zusammen saßen, seit Peter von dem Mord an Kelling wusste. Eigentlich seltsam, dass sein Freund sich nicht früher gemeldet hatte, um darüber zu reden. Selbst als Mann ihn am Donnerstag kurz gesehen hatte, um das Cabrio abzuholen und sich mal wieder Geld zu leihen, hatten sie kein Wort darüber verloren.

„Schon, ich habe einen Vertrag“, sagte Mann, „aber ich werde ihn wohl kaum erfüllen müssen.“

„Wieso nicht?“ fragte Peter. Seine Stimme klang misstrauisch.

„Hab’ ich dir schon erzählt. Die Hexter-Geschichte. Kelling hat mich doch nur genommen, weil er dachte, dass er mit so einem wie mir leichtes Spiel hätte. Dass ich mich nicht lange zieren würde, bei seinen Nebengeschäften mitzumachen.“

„Und?“

„Na, Kellings Nachfolger dürften froh sein, wenn sie mich loswerden. Ich meine, mit ein bisschen Glück muss ich gar nicht erst anfangen.“

„Du spinnst doch, das einfach hinzuschmeißen.“

„So einfach auch nicht. Natürlich nicht ohne Abfindung.“

„Trotzdem Quatsch. Irrsinnig kurzsichtig! Saublöd!“

Peter war regelrecht empört. Nachdem er Manns späte Eingliederung in die Arbeitswelt als persönlichen Erfolg verbucht hatte, erschien ihm der vorzeitige Ausstieg augenscheinlich als ebenso persönliche Niederlage. Natürlich! Mann glaubte zu verstehen, woher Peters eigentümliche Zurückhaltung ihm gegenüber herrührte. Peter musste es noch viel seltsamer finden, dass Mann sich nicht bei ihm gemeldet hatte, als umgekehrt. Schließlich war es ja Manns Beinahe-Chef, dem da der Abgang gemacht worden war, und schließlich war es Peter gewesen, der ihn zu der Bewerbung bei „Schlosser, Rulow & Co.“ gedrängelt hatte.

Also daran lag es: Peter war schlicht und einfach beleidigt, dass Mann ihn, den großen Agitator, nicht sofort um seinen bewährten Rat gefragt hatte!