5 Im Westen am Rande der Welt

5.1

Harry Manns Flug startete um elf. Zwei Zwischenstationen und neunzehn Stunden später landete er in Los Angeles. Wegen der Zeitverschiebung war es dort neun Uhr abends. Mal wieder ein Freitagabend.

Mit jedem Meter, den ihn das schwarze Laufband aus dem klimatisierten Teil des Flughafens näher zum Ausgang brachte, tauchte er tiefer in schwüle, feuchte Luft. Unter dem dicken schwarzen Jackett pappte ihm das Hemd in Null Komma nichts am Rücken, die Jeans schlossen sich klebrig um seine Schenkel. Für den südkalifornischen Sommer war er falsch angezogen.

Er fühlte sich todmüde, die Knochen taten ihm weh, seine Beine hingen bleischwer und träge in den Gelenken. In seinem Kopf aber tobte, dank der transatlantischen Freigebigkeit, ein Höllenspektakel. Alkohol jeder Art und jeder Menge war in der Business-Class gratis ausgeschenkt worden, und entsprechend hemmungslos hatte er sich zu dem mäßigen Essen mit Champagner und rotem Bordeaux und Cognac bedienen lassen. Seit der Landung in Los Angeles lag nun ein schwerer Kopfschmerz über seinen Augen. So zog der Sünder ein ins Gelobte Land.