5 Im Westen am Rande der Welt

Um nicht im Stehen einzuschlafen, sah er sich angestrengt um. Die Flughafenanlage war eine fremdartige, chaotische Landschaft aus grauem Beton, braunem Metall und einem grünen Schilderwald mit dazupassenden Palmen, deren Wedel von Abgasen und Staub vergilbt waren. Gegenüber der Haltestelle befand sich ein Ufo-ähnliches Gebilde, das auf langen Betonfederbeinen gelandet zu sein schien. Seine Funktion blieb Harry Mann rätselhaft.

Zwischen dem Raumschiff und der Shuttle-Haltestelle verliefen gut zehn Fahrspuren, auf denen kein Zentimeter zuviel frei war. Schleichbahnen für Traumautos. In den ersten drei Minuten in Los Angeles sah er mehr Rolls Royces als in seinem bisherigen Leben zusammengerechnet. Um sie herum rollten Hunderte von eigenwilligen Mobilen, von denen jedes einzelne die deutschen TÜVler zum Massenselbstmord getrieben hätte.

Ein Gedanke, der ihm gefiel wie nie zuvor: Selbstmord. Gerade, weil er keinen praktischen Ausweg aus seiner Verzweiflung bot. Und war Mord nicht nur eine Variante davon? Hatte er nicht Kelling getötet, um nicht so zu enden wie er? Und den Punkie, weil der lebte, wie er selbst nie leben konnte? Und Hexter? Jetzt jedenfalls reiste er komfortabel, Business-Class, im Handgepäck drei Morde als Teil seiner gescheiterten Selbstverwirklichung!

Eine seltsame Vorstellung: Die anonyme „Stimme“ sprach aus seinem Innern, sie erpresste ihn zur Erfüllung seiner geheimsten Sehnsüchte …

Wie sonst kam er in diesen fremden Süden, wenn nicht auf eigenen Wunsch, willentlich, mutwillig? Was zwang ihn hierher, in diese fremde Freiheit, in der Ankömmlinge, Fremde wie er, frei waren für alles; ausgerechnet ihn, der er sich immer viel darauf eingebildet hatte, keine Geheimnisse zu haben, keine unerfüllten Wünsche, keine Angriffsflächen; unkäuflich zu sein und nicht erpressbar?

Die Müdigkeit schüttelte ihn. Alle drei Herren der Lüfte zu seiner Linken warfen ihm besorgte Seitenblicke zu. Er fiel auf.