5 Im Westen am Rande der Welt

Doch was, wenn alles anders war, genau andersherum, wenn er keine seltsamen Ideen hatte, sondern verzweifelte: “Identifikation mit dem Erpressor”? Größte Souveränität der Selbstvernichtung? Der Täter als Opfer? Nein. Das nicht, niemals. Vor keinem Gericht. Er trat gegen seinen Koffer.

Die drei Blauuniformierten rückten ein Stück ab.

Er hatte Angst, plötzliche Angst vor dem, was er im nächsten Augenblick tun würde. Er konnte sich selbst nicht mehr trauen. Es war verrückt, verrückt, sich so gehen zu lassen. Besser, er versteckte sein Inneres, wo es hingehörte, und wandte sich der Außenwelt zu. Sie musste bewältigt werden. Überwältigt, wo immer man sie traf.

Er starrte um sich, wild entschlossen, alles zu verstehen: Der Architektur nach hätte er sich auf einem südeuropäischen Flughafen befinden können, Athen, Venedig, Malaga, Faro. Der Größe nach zumindest diese vier zusammen. Und doch war die Szenerie sehr befremdlich. Er hatte das absurde Gefühl eines Mannes, der eines Tages in seine Wohnung kommt und sie zur Kenntlichkeit verändert findet. Da ist der Sessel am vertrauten Fensterplatz, aber es ist ein anderer Sessel, ein besserer. Das Bett ist das alte, doch es steht am falschen Platz. Das Besteck befindet sich zwar noch in der obersten rechten Schublade, aber es ist ein anderes Besteck, und es ist wohl auch ein anderer Schrank: So erschienen ihm die Terminals, die Parkhäuser, die Autos, die Kleidung der Menschen, ihre Gesten; das alles schien, im Vergleich zu Europa, das er bis zum heutigen Tage nie verlassen hatte, leicht unscharf, verfremdet, verschoben; verrückt.

Ersatz.

Mann war irritiert, und zugleich fühlte er sich auf Anhieb zu Hause.

Ein blauer Supershuttle fuhr heran, und die Herren der Lüfte stiegen ein. Er blieb allein zurück. Kurz darauf hielt eine Art Wohnmobilverschnitt von Sheraton. Er schüttelte den Kopf. Der Fahrer gab Gas. Mann sehnte sich nach einem Hotelzimmer. Vor seinen brennenden Augen flimmerte die Luft.