5.2

Er sah weg, schaltete das Autoradio ein und ließ den Scanner nach einem Sender suchen. Lärm folgte auf Lärm, Mann konnte sich nicht entscheiden, vier, fünf Dutzend Sender musste es allein auf UKW geben. Bei 97.1 versicherte eine seriöse Stimme, die Jungs von „KLSX“ hätten nicht vergessen, was beim Rock‘n’Roll Sache sei. Ein schwer erschütterter Mick Jagger begann zu singen, Mann blieb dabei.

Allmählich wurde es eiskalt in dem Wagen. Ein blaues Licht verriet ihm, dass die Klimaanlage eingeschaltet war. Er drückte sie aus und kurbelte das Seitenfenster herunter.

Die Luft roch wie Mittelmeer, doch das Auge sah nur Ruhrgebiet.

La Cienega sollte ihn direkt nach Hollywood, hoch zum Sunset Boulevard bringen. Die breite Fahrbahn glich allerdings eher einer Ausfallstraße. Nach zwei, drei Minuten verschwanden die letzten Häuser, und links und rechts der Leitplanken war nichts als Nacht.

So ging es fast zwanzig Minuten geradeaus, ein wenig kurvig und ein wenig bergauf, und dann machte das Betonband einen scharfen Schlenker, und der Wagen tauchte mit einer Welle tief und schnell hinunter in eine Wanne voll Licht.

Das war Los Angeles, und es war Liebe auf den ersten Blick.

Das Gefühl der Unwirklichkeit wich aus seinem Kopf. Diese Kunstlichterwüste sah haargenau so aus, wie er sich schon mit zwölf das Paradies vorgestellt hatte: eine Welt für Gläubige, eine einzige Fata Morgana, voller Mord und Traurigkeit und Schönheit und Reichtum.

Harry Mann war auf dem Weg zum Boulevard der Dämmerung.