5.3

Als er aufwachte, zeigte das Display des Autoradios 00.19 Uhr. Mit Ausnahme der Ohrläppchen war ihm so gut wie jeder Körperteil eingeschlafen. Trotzdem fühlte er sich angenehm erholt. Er streckte sich mühsam, bis kribbelnd das Leben in Arme und Beine zurückkehrte.

Zum Hotel konnten es nur noch ein paar Minuten sein. Hinter dem Santa Monica Boulevard stieg La Cienega steil an und endete gegenüber einem Liquor Store. Mann bog rechts in den dichten Lichterstrom, der sich die vier Fahrspuren entlang wälzte. Riesige Plakatwände warben auch hier, nun für Zigaretten, Schallplatten und Filme. Der Gegensatz zu dem intergalaktischen Außenreich des Flughafens ließ sich nicht schärfer denken. Der Sunset Boulevard war eine Innenwelt, ein dreidimensionales Kulissengemälde, erschaffen von einem professionellen Schausteller. Und das „Chateau Marmont“, das zur linken Hand auftauchte, schien der geheime Mittelpunkt aller Vergnügungen zu sein. Ein verzaubertes Schloss mit den albernsten Zinnen der Welt. Am Fuße des Hügels stand in riesenhaften Lettern: „Don’t get mad, get even.“

Hinter der Reklamewand bog Mann links in die Marmont Lane und, dirigiert von einem blauen Neonschild mit rotem Leuchtpfeil, gleich wieder rechts in den Innenhof, von dem die Tiefgarage abging.

An der Wand neben dem Eingang lehnte ein uniformierter Wachmann, einen Fuß gegen den Stein gestemmt. Er trug seinen Revolver offen am Bund und fragte den Ankömmling, ob er auch wirklich im richtigen Hotel sei. Dunkelblaue Uniformen, das hatte Harry Mann derweil kapiert, waren Kaliforniens große Liebe. Sie suggerierten Sicherheit, wo immer keine war.