5.3

Ein anderer Parkwächter in lausigem Räuberzivil lud das Gepäck aus dem blauen Nova und fuhr mit dem Wagen davon. Zur Rezeption ging es eine Treppe hinauf. Hinter dem Pult saß eine Art später Student von fünfzig Jahren und las in einem braunen ledergebundenen Wälzer.

Mann musterte die Lobby. Sie war voll gestellt mit schweren Möbeln, die man mit hellblauen Blümchenbezügen verschandelt hatte. An der Decke prangten unverkleidete Holzsparren, angestrahlt von den elektrischen Kerzen eines voluminösen Kronleuchters. Alles wirkte teuer, massiv und schauerlich schön. Eine feste Burg amerikanischer Europa-Gläubigkeit.

Der Portier spendierte Mann einen abweisenden Blick. Als das nichts half, legte er sorgsam das Lesebändchen zwischen die aufgeschlagenen Seiten, klappte das Buch zu, strich noch einmal flüchtig mit der Hand über das alte Leder und stand schweren Herzens auf. Mann nannte seinen Namen. Der Portier schüttelte bedauernd den Kopf. Es war inzwischen halb eins, niemand hatte noch mit seiner Ankunft gerechnet. Das reservierte Zimmer war längst vergeben, das Hotel belegt, ausgebucht, auf Tage hinaus.

Sofort geriet Mann wieder in Panik. Ein anderes Hotel kam nicht in Frage. Nur hier konnte die „Stimme“ mit ihm Kontakt aufnehmen. Alles hing davon ab, dass er im „Chateau Marmont“ erreichbar war. Er brüllte fast.

„Please, Sir!“ schnarrte der Nachtportier unwillig. „There might be … The penthouse is still available …“

Mann nickte erleichtert. „Okay.“ Noch mal Glück gehabt.

„But it’s 350 a night!“ sagte der Nachtportier mit bedenklicher Miene.

Trotz all der Mühe, die er sich gab, irgendetwas an ihm musste billig aussehen, dachte Harry Mann. Er zuckte mit den Achseln. Ihm war alles egal. Der späte Junge schob ihm ein Formular für die Anmeldung hin.

„Cash or charge?“ fragte er gelangweilt.

Mann sah ihn verständnislos an. „What charge?“

„Creditcard?“