5.4

Ein plötzlicher Wind trieb eine Wolke vor die Sonne, fing sich in den irren Zinnen des Spukschlosses und fegte auch über seinen schweißnassen Rücken. Wohlige Gänsehaut kroch ihm von den Fußsohlen über die Schenkel und sonst was bis in den Nacken. In Deutschland war es jetzt früher Abend, kalt und regnerisch und ungemütlich. Als er sich in Gedanken schüttelte, meinte er, einen schnellen Seitenblick zu spüren. Die dürre Mexikanerin summte halblaut vor sich hin. Wahrscheinlich, um sich Mut zu machen. Er nahm sich vor, ihr ein gutes Trinkgeld zu geben. Sie hatte es sich redlich verdient. Sein weißer Hintern bot keinen angenehmen Anblick.

Es war Manns vierter Tag in Kalifornien. Viel hatte er von dem Land nicht gesehen. Die meiste Zeit war er auf seinem Zimmer geblieben, in der Nähe des Telefons, wie die „Stimme“ es verlangte. Er hatte regelmäßig die belegten Croissants des Room Service in sich hineingestopft und dabei einen Haufen Fernsehen geguckt. Eine Welt des gequirlten Irrsinns war so an seinen ungläubigen Augen vorbeigeflimmert, von der marktschreierischen „Million-Dollar-Chance-of-a-Lifetime“ im morgendlichen Hausfrauenprogramm bis zu den handfesten Sex-Empfehlungen, die Doktor Ruth, eine kleingewachsene ältere Frau mit einem harten deutschen Akzent, zu später Stunde abgab: „Make him ejaculate into your mouth. Men like that.“ Dazu lächelte Frau Doktor kleinbürgerlich-verschämt wie die Queen auf Staatsbesuch.

Die „Stimme“ hatte sich nicht gemeldet, von dem versprochenen Umschlag mit seinem Taschengeld einmal abgesehen. Er hatte tausend Dollar enthalten, die natürlich inzwischen schon wieder verwohnt waren. Wer immer hinter der Sache steckte und was immer er wusste, von den hiesigen Preisen hatte er keine Ahnung.