5.4

„Bis bald, du Scheißkerl!“ murmelte Harry Mann so laut man murmeln kann. Er musste sich den Mut machen, den er dringend benötigte.

Das Trockentuch war von der Spüle gerutscht, und das Zimmermädchen bückte sich langsam danach. Aus seiner Perspektive sah er wenig mehr als die Kniekehlen. Sie waren hässlich, insoweit Kniekehlen hässlich sein können. Sein Gehirnkino wechselte allmählich zu seinem neuen Standardprogramm. Der Film hieß „Die schöne Gallathea“. Über eine Woche war es her, seit sie beide es zum letzten Mal gemacht hatten. Er sehnte sich nach ihr, wie er sich nie zuvor nach einem Menschen gesehnt hatte. Er dachte daran, wie sie ihr Abendkleid gehoben, sich vorgebeugt und an dem nassen Klettergerüst festgehalten hatte …

Und nach diesem Vorspiel hatte sie versucht, ihn aufs Kreuz zu legen!

„Vergiss es“, sagte er sich.

Es war glühend heiß. In seinem Walkman-Radio verkündete der Sprecher was von 106 Grad. Fahrenheit. Keine Ahnung, wie viel das in Celsius war. Er wechselte den Film, ein älteres Programm: Anne, die kleine literarische Anne, damals war sie noch Assistentin und durfte nur Anfänger unterrichten, die kleine Anne, in der wackligen Wanne ihrer verwahrlosten Hinterhof-Wohngemeinschaft. Wenn er sich mit geschlossenen Augen vorstellte, wie sich ihre Brüste in dem mannshohen Spiegel an der Badezimmertür verdoppelt hatten, während ihr aufgerissener Mund stumm in ihr Spiegelbild stöhnte …

Aber er sehnte sich nicht nach ihr, nicht mehr. Er sehnte sich nach Gal, die so weich war und falsch und aufregend. Er dachte an ihren Bauchnabel, an ihre kräftigen Schenkel und an ihre süchtigen Lippen, und darüber vergaß er Anne und Kati und erst recht die Waden des dünnen Mädchens.