5.4

Die Sonne brannte auf seinem Rücken. Unter seiner verschwitzten Bauchdecke regte sich etwas. Die grellgelbe Plastikliege war so anschmiegsam wie die Lederhaut eines englischen Kolonialbeamten. Ihm wurde es zu eng und zu hart. Er drehte sich zur Seite.

„Gal“, sagte er leise zu sich selbst. Wenn er so weitermachte, würde er bald ganze Ansprachen an sich richten.

Die Waden des dürren Zimmermädchens standen plötzlich verkehrt herum. Die Mexikanerin summte nicht länger. Sie lehnte, eine Hand in ihrem Haar, an der Spüle. Ihr Gesicht lächelte, mehr verängstigt als begeistert. Augenscheinlich bezog sie seinen gegenwärtigen Zustand auf den Anblick, den ihr spinniger Körper in dem keuschen Kittel bot. Mann sah unwillkürlich weg und spürte, wie unter seiner geröteten Gesichtshaut das Blut pulsierte.

In das Schnaufen eines Busses hinein, der unten auf dem Sunset anfuhr, wurde die Eingangstür der Suite zugeschlagen.

Mann stand auf und ging duschen. Er hatte viel Lust und wenig Hoffnung.

Als das Telefon klingelte, hatte er sich gerade eingeseift. Betäubt vor Erleichterung, stürzte er aus dem Bad. Er war nackt und sein Körper halbverschmiert von weißem Schaum, und zu seiner eigenen Überraschung zitterten ihm plötzlich die Knie. Er ließ es noch zweimal klingeln und atmete tief durch.

„Hallo?“

„Guten Morgen, Harry“, sagte die „Stimme“. „Ich habe Sie doch nicht geweckt?“

Er gab keine Antwort.

„Nun, ich nehme an, der Rest des Jetlags wird Ihren Schlummer schon früh beendet haben, nicht wahr?“

„Hmmh.“

„Gut, kommen wir zur Sache. Sie werden sich jetzt in Ihren schönen blauen Kleinwagen setzen und nach Venice fahren.“

„Wohin?“

„Venice. Venezia. Auf gut deutsch: Venedig.“