5.5

Das Betonband des Ocean Front Walk säumten ein Haufen Palmen und Abfalltonnen, und von einem Baumfrosch war weit und breit nichts zu sehen. Dafür hockte auf der Bank gegenüber dem „Treefrog’s“ eine fast schwarz gebrannte Gestalt, die ihren Körper in eine Art Kettenhemd aus Algen gehüllt hatte. Ein handgemaltes Schild verriet, dass es sich bei dem unterseeischen Prunkstück um einen „Mister Sea Wee“ handelte. Vor sich hatte er einen Styroporkasten postiert, in dem einige Münzen lagen. Gerade begann er eine erregte Konversation mit einem Gitarristen auf rollenden Schlittschuhen, einer Art weißem Derwisch in Pluderhosen und Turban.

Mit Ausnahme der wenigen älteren Touristen schenkte niemand im flanierenden, joggenden und auf Skateboards vorbei gleitenden Publikum den beiden einen Blick. So exzentrisch war man allemal selbst. Die kuriosesten Figuren, die Mann seit seinem letzten Open-Air-Festival vor fünfzehn Jahren gesehen hatte, präsentierten sich hier; eine braungebrannte Nichtstuer-Gesellschaft, deren Tagewerk sich um Sonne und Sport und wohl auch ein bisschen um Kunst und Literatur drehte. Vor allem aber um Selbstinszenierung.

Ein spätes Mädel, dem man die abgebrochene Kunststudentin ansehen konnte, brachte Harry Mann den fotokopierten Speisezettel. Sie trug eine weite schwarze Schlabberhose, die ihren kräftigen Unterleib notdürftig kaschierte, und eine enge schwarze Bluse, die ihren kräftigen Oberleib betonte.

Auf der Speisekarte las Mann von all den schönen Dingen, die er nicht essen durfte. Ein gedrungener fetter Mexikaner, an dessen Schnauzer sich die Schweißtropfen stauten, knallte kurz darauf ein Glas auf den Tisch. Es war halb mit Wasser, halb mit Eisstücken gefüllt.