5.5

Auf dem Ocean Front Walk drängelten sich die Passanten, in der La Palma Road war weit und breit kein Mensch zu sehen. Warum wollte die „Stimme“, dass er hier wartete? Auf was? Vielleicht hätte er gleich bei seiner Ankunft die Wahrsagerin vor der Synagoge konsultieren sollen.

Die Kunststudentin brachte den Fumé Blanc. Der Wein schmeckte vorne süß und zog hinten den Gaumen bitter zusammen. Mann fischte zwei Eisstücke aus dem Wasser, das ihm der Mexikaner gebracht hatte, und versenkte sie in dem Weinglas.

Von der Pacific Avenue her joggte ein hünenhafter, extrem schwarzhäutiger Schwarzer mit langsamen, riesigen Schritten das leichte Gefälle der La Palma Road herunter. Er trug glitzergelbe Turnschuhe, eine glitzergelbe Sporthose und einen schwarzen Kopfhörer mit eingebautem Radio. Während er lief, sang sein Mund langsam mit. Der Mann sah aus wie Bill Cosby, nachdem ihn ein unerbittlicher Fan mit zwanzig Prozent Vergrößerung kopiert hatte.

Als er näher kam, blickte der Jogger in Manns Richtung und verlangsamte seinen Lauf. Mann sah ihm in die Augen, der Schwarze schaute zurück und dann über ihn hinweg. Mann drehte sich um. An dem Tisch hinter ihm saß ein papierdünner, drahtiger Japaner in einem winzigen Lendenschurz und verschlang ein Doppeldecker-Sandwich mit den abenteuerlichsten Zutaten.

„High, Hirohito!“ rief ihm der Schwarze zu.

„High, Uncle Tom!“ antwortete der Japaner, ohne von seinem Mahl aufzusehen.

Der schwarze Riese hob seine rechte Schaufelhand zum Gruß ins Leere und war auch schon vorbei.

Fehlanzeige.

Die Kunststudentin brachte die „Manicotti“. Auf dem übervollen Teller gab es nur zwei Farben, das Grün der Spinatcrepes und der Unmengen Eisbergsalat und das Rot der Marinara-Sauce und der zwei angetrockneten Tomatenscheiben, die einsam auf dem Salat herumlagen.