5.5

Mann trank einen kräftigen Schluck von dem mit Eis verbesserten Fumé Blanc und machte sich ans Essen. Es war Viertel vor zwei. Allmählich tat die träge südliche Mittagsstimmung ihre Wirkung. Zudem waren die „Manicotti“ hervorragend. Zumindest die kulinarische Wahl, die die „Stimme“ für ihn getroffen hatte, zeugte von Geschmack.

Als er gerade noch genug auf dem Teller hatte, dass sich seine Bestellung erraten ließ, fragte er schweren Herzens die Kunststudentin nach Bill.

Das Mädchen winkte dem schläfrigen Mexikaner, der an der Tür des „Treefrog’s“ lehnte. Er war ein kleiner Mann, um die einssechzig groß, und fast genauso breit wie hoch. Seine Züge hatten einen starken indianischen Einschlag. In heftigem Widerstreit dazu stand ein breiter Oberlippenbart, der den optischen Mittelpunkt des rotbraunen Gesichtes bildete.

Der Mexikaner sah zu Mann hinüber und kam dann lustlos an den Tisch geschlurft. Mann grüßte von Susan. Der Mexikaner nickte leicht grunzend. Aus den Tiefen seiner schmuddeligen Schürze brachte er einen Umschlag zum Vorschein. Er legte ihn auf den Tisch und sah erwartungsvoll drein.

Mann dachte nicht daran, ihm von dem lausigen Rest seiner Barschaft etwas abzugeben. Der Mexikaner namens Bill drehte sich um und schlurfte davon. Sein Nacken war voller Schweiß.

Mann öffnete den Umschlag. Er enthielt ein Polaroidfoto. Es zeigte drei Personen, offensichtlich ein Ehepaar Mitte Vierzig mit einer halbwüchsigen Tochter. Die Szene war leicht zu erkennen: Die drei standen vor dem postmodernen Gebäude, das schräg gegenüber an der La Palma Road lag. Ein Gesicht war mit einem dicken schwarzen Kreuz durchgestrichen.

Harry Mann hatte wenig Zweifel, was das bedeuten sollte. Als Handlungsanweisung waren Foto und Kreuz jedoch etwas zu dürftig. Er beschloss abzuwarten und bestellte sich bei dem späten Mädel zum Nachtisch Schokoladenkuchen und einen Espresso.