5 Im Westen am Rande der Welt

Plötzlich meinte er, in dem Verkehrsstrom ein bekanntes Gesicht zu entdecken, er sah es durch den Spalt des gerade noch halboffenen Fensters einer staubigweißen, überlangen Lincoln-Limousine, die langsam an den Terminals vorbeirollte. Ein fetter, glatzköpfiger und sehr distinguierter Herr um die Sechzig!

Im nächsten Augenblick bereits hatte sich das schwarze, undurchsichtige Glas der Scheibe geschlossen. Mann war wie elektrisiert. Er hatte dieses Gesicht schon einmal gesehen, das Profil war ihm vertraut! Woher? Eine Spur!

Doch dann begann er zu überlegen, und sehr bald kam er zu der Einsicht, dass er keinen einzigen fetten älteren und sehr distinguierten Herrn kannte. Und doch …

Nein, seine überreizten Jetlag-Nerven, seine Ängste vor all dem Neuen und Fremden, das auf ihn eindrang, mussten ihm einen Streich gespielt haben, vielleicht auch Schuldgefühle, Paranoia, Hass. Er benötigte dringend ein Bett, für mindestens zwölf Stunden.

Mann sprach leise zu sich selbst, und er spürte, wie sein Körper sich beruhigte, wie die Wellen der Aufregung, die von seinem Unterleib ausgegangen waren, in den Händen und in den Waden verebbten. Außenwelt! Er musste sich auf die Welt draußen konzentrieren. Er musste lernen, sich in ihr zurechtzufinden. Und er musste es schnell lernen. Ihm blieb nicht viel Zeit.

Gegenüber, direkt vor dem „Pan Am“-Terminal, hielt jetzt in zweiter Reihe ein blauer Ford-Pickup-Truck. Die Front seiner Ladefläche war großflächig mit Klebefolie verschönt, auf der Rebhühner einen Strand bevölkerten. Aus der dreisitzigen Fahrerkabine quollen zwei schwergewichtige mexikanische Eltern und drei dunkle, spindeldürre und sehr amerikanische Kinder. Es sah sehr anmutig aus, wie sie herumrannten, zwischen den plumpen unteren Extremitäten einer stinknormalen weiblichen Touristengruppe, die in Shorts und Miniröcken aus dem Urlaub zurückkehrte.