5 Im Westen am Rande der Welt

Harry Manns Augen sahen das alles, und er wusste, dass sie es nur sahen, weil das Fremde sie reizte. In zwei, drei Tagen würde er so gut wie nichts mehr davon wahrnehmen. Die Wunder würden alltägliche Kulisse geworden sein, nahezu unsichtbar für seine Augen, deren Suche nur ein Ziel kannte: das Gesicht zu der „Stimme“ zu finden, die ihn erpresste.

Nach einem roten Shuttle von „Hyatt“ stoppte schließlich ein schmutzigweißer Bus mit grünen Streifen. Unter der Aufschrift „National Car“ stand: „Official Car Rental Company of Disneyland“. Hinter dem Steuer saß eine gigantische Blondine. Sie trug Jeans und ein kurzärmeliges T-Shirt und war von überwältigender Hässlichkeit. Nicht fett, sondern überdimensional. Als die hydraulischen Türen aufzischten, wehte ihm ein eisiger Wind entgegen. Die Fenster ließen sich nicht öffnen. Anstelle der Heckscheibe besaß der Bus ohnehin nur die Metallrippen der Air Conditioning. Er hatte das Gefühl, in einen rollenden Kühlschrank zu treten.

In einem dichten Strom von Fahrzeugen schlichen sie an dem endlosen Halbrund des Ankunftsgebäudes entlang. Niemand winkte den Bus heran. Harry Mann blieb der einzige Fahrgast.

Kaum hatten sie nach Terminal sieben die Rampe hinab zum Century Boulevard erreicht, gab die Fahrerin Vollgas und preschte auf die Überholspur. Links säumten die Hochhäuser der Hotelketten die Straße, gleich glitzernden Findlingen am Wegesrand; rechts erstreckten sich, so weit er sehen konnte, dunkle, um diese Uhrzeit längst verlassene Flachbauten. Dazwischen warben bunte Riesenplakate, mehrere Stockwerke hoch, für Fluglinien und Kreditkarten.

Alles war unwirklich, zu groß und zu hell.

Er war ein Zeitreisender, verschollen in der Zukunft.