6.2

„Vorsicht, sie kommt!“ hörte er eine Frauenstimme hinter sich zischen. Im selben Augenblick schon hatte Gal ihn herumgerissen und an sich gezogen.

Harry Mann stand starr vor Verblüffung.

Sie drückte die Kamera beiseite, umschlang ihn mit beiden Armen und presste ihre Lippen heftig auf seinen Mund. Dabei drehte sie seinen Körper langsam herum, bis er das Mädchen mit den langen blonden Haaren erblickte, das die Straße entlang auf sie zukam.

Selbstvergessen in der Arroganz ihrer werdenden Schönheit, ging Blondie vorbei, ohne Eile und ohne den beiden besondere Beachtung zu schenken.

Während Manns Augen ihrem wippenden Hintern folgten, schob er seine Zunge durch Gals Lippen und spürte dabei, dass seine Hand immer noch das Messer in der Jackettasche festhielt.

Die Wut, es zu benutzen, war in ihm. Gals Auftauchen konnte nur eins bedeuten: Sie steckte mit dem Erpresser unter einer Decke. Wahrscheinlich musste man das wörtlich nehmen.

„Wie kommst du hierher?“ fragte er.

Die Frage war so hilflos, wie Harry Mann sich fühlte. Gal antwortete auf eine andere Frage, die er nicht gestellt hatte.

„Die Kleine“, sagte sie, „ist plötzlich aufgetaucht, während du wie gebannt durch deine Kamera gestarrt hast, fasziniert und weltvergessen. Was gab’s denn da Spannendes?“