6.2

„Hat das Mädchen was gemerkt?“

Gal schüttelte den Kopf. „Ich war vorher bei dir.“ Sie fuhr ihm tastend mit der Hand über Kinn und Backenknochen. „Viel besser ohne Bart!“ Dann küsste sie ihn wieder.

Wie lange sie sich nicht gesehen hatten! Zehn lange Tage, in denen … Er küsste sie, aber er traute ihr nicht.

Dreißig Meter weiter kletterte Blondie jetzt einen steilen Pfad hinunter zum Strand. Auf halber Höhe blieb sie zwischen zwei mannshohen Büschen stehen, so dass von der Straße aus gerade noch der Kopf zu sehen war. Geschützt auch zum Strand, beobachtete sie ihre Eltern.

Mann setzte die Kamera an. Blondies Mami lag ausgestreckt auf den Polstern der ausrangierten Sitzbank, Shorts und Schlüpfer in Knöchelhöhe, die Beine weit gespreizt. Ihr Gesicht war weich und zufrieden. Silberschopf stand vor ihr und fummelte an dem Reißverschluss herum, der seine Zeugungskraft vor Gott und der Welt schützte.

Gal löste sich von Mann und trat einen Schritt zurück. „Zeig mal her!“ Sie streckte die Hand aus, und er gab ihr die Kamera.

Das Mädchen wartete noch zwischen den Büschen. Ihr Interesse an dem Tun ihrer Eltern schien Mann fast wissenschaftlich.

Gal schob die Sonnenbrille hoch, setzte den Sucher ans Auge und beugte ihren Kopf leicht vor.

Sie war wunderschön. Die schwarzen Haare hatte sie zu einem kurzen Schweif zusammengebunden, was die hohen Wangen mehr als sonst hervortreten ließ. Ihren Körper, dessen Formen Manns Blicke vergeblich abzutasten suchten, verbarg sie in einem sehr weiten, togaähnlichen Fummel. Sein buntes Muster in warmen Rot- und Gelbtönen erinnerte an ein Hippie-Kabul, das es nicht mehr gab. Gal lachte leise. Er liebte sie.

„Was siehst du?“ fragte er.

Sie ließ die Kamera sinken. „Die beiden haben doch nicht etwa gevögelt?“