6.2

„Hmmh.“

„Schamlos.“

„Wieso? Ist doch schön hier. Ich hätte auch Lust.“

Gal wehrte seine Annäherungsversuche mit einer halbherzigen Bewegung ab. „Sei kein Idiot …“

Er nahm ihr die Kamera aus der Hand. „Lass uns ins Auto setzen“, sagte er so ernst, wie er es meinte, „dann kannst du mir erklären, wieso du hier aufgetaucht bist!“

„Das und noch mehr …“, sagte sie.

Gal hatte ihren Mietwagen, einen asphaltgrauen 190er Baby-Benz mit tief getönten Scheiben, ein ganzes Stück weiter zwischen dem Wäldchen und der Auffahrt zu dem verlassenen Campingplatz geparkt. Auf dem Weg dorthin hielten sie sich engumschlungen. Mann küsste sie und spürte, wie sie ihren Körper an den seinen schmiegte. Aber er spürte auch, dass Gal mit diesen Küssen jede Erklärung vermied. Nur Unangenehmes, nur ein Betrug an ihm, konnte sie hierher geführt haben. Und doch liebte er sie, mehr als je zuvor.

Gal schloss den Wagen auf und öffnete die hintere Tür. Er stieg ein. Auf eine halbe Stunde kam es jetzt nicht mehr an.

Dass sie beide dasselbe wollten, aus welchen Gründen auch immer, entdeckten sie schnell, aber ebenfalls die Vergeblichkeit ihrer Anstrengungen. Für jede mehr als handgreifliche Liebe war der kleine Mercedes nicht geschaffen.

„Ich weiß ein Motel, nicht weit“, sagte Gal. „Du brauchst bloß hinter mir herzufahren.“

„Nein!“ sagte er. „Ich werde meinen Arsch nicht aus diesem Wagen heben, bevor du mir nicht erklärt hast, was hier gespielt wird. Vor allem, welches Spiel du mit mir treibst!“

„Genau dasselbe kann ich dich fragen!“ Gal ging zum Angriff über. „Was meinst du, wie verblüfft ich war, als ich dich plötzlich im ,Treefrog’s‘ sitzen sah!“

Er zögerte. War es klug, ihr von der „Stimme“ zu erzählen? Oder lieferte er ihr damit die rettende Idee, wie sie sich herausreden konnte?