6.2

„Okay …“, sagte Gal, bevor er sich entschieden hatte. „Du traust mir nicht. Also, ich bin hier, weil ich erpresst werde.“

„Von wem?“

„Keine Ahnung.“

„Das dachte ich mir.“

„Es ist ein Mann. Ich kenne nur seine Stimme, vom Telefon. Ziemlich piepsig, mit einem leichten amerikanischen Akzent. Und immer eine rauschende Leitung, als er mich in Berlin anrief.“

„Womit erpresst er dich?“

„Dreimal darfst du raten.“

„Wie kann irgendwer außer uns davon wissen?“

Gal zuckte mit den Schultern. „Darüber habe ich mir schon einige Nächte den Kopf zermartert. Wenn er’s nicht von dir hat, hab’ ich nicht den Schimmer einer Ahnung, von wem er’s haben könnte …“

„Vielleicht ein Freund der Familie Kelling?“

„Du hältst mich für blöder, als ich bin.“

„Vielleicht ist es umgekehrt, vielleicht hast du jemanden unterschätzt? Jemanden, der gut zuhören und gut kombinieren kann?“

„Nein, dafür wusste der piepsige Kerl zu viele Details. Es muss jemand sein, der Irene Hexter kannte und von ihr eingeweiht wurde.“

„Aber mal grundsätzlich gesprochen: Es gibt noch andere enge Freunde der Familie?“

Gal sah ihm in die Augen. „Nicht in letzter Zeit.“

„Was verlangt man von dir?“

„Mich zur Verfügung zu halten.“

„An den Gestaden des Pazifischen Ozeans?“

„Wo du bist, möchte auch ich nicht weit sein.“ Gal lächelte ihn böse an.

„Willst mir verkaufen, dass diese anonyme Stimme dich heute nach Venice und hinter dem Rolls hergeschickt hat?“