6.2

„Weiter!“ sagte Mann. „Erzähl alles, was dir zu ihm noch einfällt. Auch das Unwichtigste. Vielleicht ist irgendetwas dabei, das uns erklärt, warum dieselbe ‚Stimme‘, die dich hierhergeschickt hat, mich erpresst, Schlossers Frau zu töten.“

Gal sah ihn erstaunt an. „Sie, nicht ihn?“

„Dass überhaupt jemand sterben muss, scheint dich nicht zu verblüffen …“

„Seit ich dich kenne, tust du nichts anderes als Leute umzubringen.“ Gal lachte anzüglich. „Mal abgesehen vom Bumsen.“

Sie gab ihm einen flüchtigen Kuss. Dann lehnte sie sich wieder zurück, den Nacken an der Kopfstütze. Ihr Profil war ein wenig spitz.

Mann sah sie an; mit, wie er hoffte, unbeweglichem Gesicht.

„Also, meinetwegen“, lenkte Gal ein. „Schlosser stammt aus kleinen Verhältnissen, wovon noch in seinem Gebrabbel der starke hessische Dialekt zeugt. Ein typischer Aufsteiger eben, eitel, selbstbewusst bis zur Unverschämtheit. Gibt auch viel zuviel Geld für viel zu teure Hobbys aus, für Luxuskarossen, Reitpferde und für seine ständig wechselnden farbigen Mädchen.“ Sie grinste. „Das soll sich allerdings geändert haben, seit Aids grassiert. Beziehungsweise die Angst davor. Jedenfalls hält er sich jetzt angeblich was Festes in einer seiner Absteigen, in Düsseldorf.“

„Gut informiert“, sagte Mann und ärgerte sich über seine Eifersucht. „Du kennst dich in seinem Intimleben bestens aus …“

„Hab’ ich von einer guten Freundin der reizenden Maria. Sie behauptet, die treusorgende Gattin selbst soll drauf bestanden haben.“

„Worauf?“

„Risikominimierung.“

„Was?“ Mann sah sie verständnislos an.

„Mein Gott, Maria meint wohl, wenn ihr Fritz schon auf Briketts steht, dann soll er wenigstens für ein negatives schwarzes Loch sorgen.“