6.2

Mann spürte Wut in sich aufsteigen, gemischt mit Scham darüber, dass Gal, seine Gal so sprach.

„Wie gut“, sagte er etwas zu verkrampft, „dass wir keine Vorurteile haben.“

„Die hab’ ich auch nicht. Ich kann nur keine schwarzen Huren leiden. Jedenfalls nicht in Deutschland. Die sollen bleiben, wo sie herkommen.“

Bingo. Er war ein Glückspilz. Die Frau, die er liebte, entpuppte sich als eine rassistische Pute! Aber was wunderte ihn das eigentlich? Genaugenommen wusste er nichts von ihr. Wahrscheinlich hasste sie auch Türken, Grüne, Arbeitslose und Schwule.

„Sag mal“, fragte er und hätte sich im selben Augenblick dafür ohrfeigen können, „was wählste eigentlich?“

„Was ich wie bitte?“ Sie schaute ihn ehrlich verblüfft an.

„Ich meine, wie deine politischen Ansichten sind?“

„Hast du’n Hammer? Willst du mich für die Bonner Politik-Scheiße bekehren, ausgerechnet hier und jetzt?“

Nett, wie sie ihn einschätzte. Andererseits, in Kalifornien an die kalte graue Provinz zu denken war total meschugge. Mann blickte zur Windschutzscheibe hinaus und zwischen den Bäumen hindurch, hinaus auf den Pazifischen Ozean. Hirnverbrannt. Und vollkommen bedeutungslos. Konnte er etwa aufhören, sich nach ihr zu sehnen, sie zu lieben, sie über alles zu lieben, wenn sie wirklich Rassistin war, und das im Zweifelsfall aus Dummheit und Mangel an Erfahrung?

Überhaupt, er in der Rolle des selbstlosen Menschenfreundes und Weltverbesserers! Eine größere Fehlbesetzung war wohl nicht denkbar.

Mann machte eine hoffnungslose Handbewegung. „Vergiss es. Und was tut sie? Maria, mein’ ich?“

Gal hatte nichts dagegen, zum Thema zurückzukommen: „Alter Adel. Ihren Geburtsnamen habe ich vergessen, aber er klingt wie der eines reinrassigen Schäferhundes. Sie ist ein paar Jahre älter als ihr Mann und hat aus der ersten Ehe nicht nur diese Tochter …“