6.2

„Die ist nicht von ihm?“ unterbrach er sie.

„Nein. Natürlich nicht.“

„Wieso natürlich?“

„Nun, in den zivilisierten Ländern zumindest gilt Inzest als unnatürlich …“

„Du meinst …“

„Nein, ich meine nicht, ich weiß … Also, Maria jedenfalls hat nicht nur dieses reizende Töchterlein aus erster Ehe, sondern auch eigenen Besitz, der im Gegensatz zu den angeblichen Millionen ihres Mannes vorzeigbar ist. Und dass das so bleibt, darauf scheint sie sehr zu achten.“

In diesem Augenblick stapften ein verschwitzter Mann, eine zufriedene Frau und eine gehässig dreinblickende minderjährige Schönheit durch den Sand die leichte Steigung zum Parkplatz hinauf und stiegen in den goldigen Rolls Royce.

Mann schaute auf die Uhr am Armaturenbrett des Baby-Benz. Es war kurz vor sieben, die Sonne stand exakt in der Mitte der Bucht, sehr tief, fast in Höhe der Straße.

Der Rolls bog ohne abzubremsen auf den Highway und rollte Richtung Malibu davon.

„Das wär’ mal was anderes!“ Gal blickte dem Wagen mit unverhohlenem Neid hinterher. „In dem Schlitten könnte man für ‘nen kompletten Kegelclub Sexpartys  geben.“

„Und sich den Tod holen …“

„Und wer lebt jetzt seine Vorurteile aus?“ Sie lächelte ihn spöttisch an.

„Was?“

„Nur weil Schlosser in Düsseldorf eine Negerin …“

„Du spinnst! Besser wär’s, du hieltest dich bei diesem Thema etwas zurück.“

„Du meinst, ich bin wie alle Weiber so strohdoof, dass ich mehr Erfolg hätte bei so superklugen Kerlen wie du …“

„… wie dir!“

„… wie du einer bist …“, sagte sie. „Und soll ich dir sagen, was du für einer bist? Du bist ’n richtig mieser, zu kurz gekommener Penner!“