6.3

In seinem Rücken kämpfte die Sonne mit letzter Kraft gegen das Untergehen. Wenn Mann sich umdrehte, ließ ihn das orangene Licht, das in der feuchten Seeluft flirrte, fast blind werden. Wendete er sich wieder nach vorne, in Fahrtrichtung, schien der Himmel über der Küste dunkel und das Felsgestein der Canyons feuerrot. Die breiten Strände in den Buchten, an deren äußeren Rändern entlang der Highway sie führte, lagen verlassen da. Auf dem Wasser kreuzte, so weit der Horizont reichte, kein Boot. Nur ein paar letzte Windsurfer schälten sich auf den Parkplätzen aus ihren Gummianzügen. Wären nicht überall die rotweißen Mülltonnen gewesen, nichts hätte daraufhingedeutet, dass sie durch das Erholungsgebiet einer der größten Großstädte dieser Erde fuhren.

Wie anders, dachte Mann, würde die Küste aussehen, gehörte sie zu Griechenland oder Italien oder Portugal. Hier lebte kein Volk von Fischern und Seefahrern. Kalifornien war nicht vom Meer aus besiedelt worden, sondern aus dem Inneren des Kontinents heraus. Die Strände des Pazifischen Ozeans standen nicht am Anfang der Zivilisation, sondern an ihrem Ende, im Westen am Rande der Welt. Danach war eine ganze Weile nichts und dann schon wieder Osten.

Die Uhr am Armaturenbrett zeigte kurz nach sieben. Mit jeder Meile wurde der Verkehr auf dem vierspurigen Highway dichter, eine endlose Karawane von Luxuskarossen kam ihnen entgegen, wohlhabende Pendler in Mercedes und BMW, Porsche und Camaro, Jaguar und Cadillac auf ihrem alltäglichen Weg von Downtown Los Angeles oder Century City oder Burbank zu den Villen in Malibu und in den Bergen dahinter.

Harry Mann beneidete sie.