6.3

„Quatsch!“ Mann schüttelte unwillig den Kopf. „Deine Erzählungen liefern gleich zwei klare Motive. Und zwar für Schlosser selbst. Erstens hat er, vielleicht, ein Verhältnis mit der knackigen Stieftochter – und seine Frau ist ihm dabei hinderlich. Und zweitens, falls die Affäre mit dem Balg nichts Ernstes sein sollte, so würde ihn doch, wenn die Sache rauskommt, eine Scheidung um das Vermögen seiner Angetrauten bringen. Richtig?“

Gal sah angestrengt auf die Straße und machte: „Hmmh.“

Mann musterte sie von der Seite. Sehr überzeugt schien sie nicht. Für ihre Gedanken hätte er einiges gegeben.

„Ich werde mich also“, sagte Mann, „an Schlossers Fersen heften.“

„Ich denke, du willst Maria …“

„Danach natürlich. Denn danach muss Schlosser Kontakt mit der ‚Stimme‘ aufnehmen. Und mit ein bisschen Glück, werde ich die beiden dabei erwischen.“

„Wieso?“ Gal nahm den Fuß vom Gaspedal und sah ihn misstrauisch an. „Warum muss Schlosser das?“

„Aus lauter Lust und Liebe wird die ‚Stimme‘ dem lieben Herrn Schlosser nicht bei der Ehepartner-Entsorgung helfen, also müssen die freundlichen Dienste bezahlt werden, nicht wahr?“

„Hmmh“, sagte Gal skeptisch. Und : „Hinter dem Hügel kommt gleich das Motel.“

Mann konnte sich zwar von der Hinfahrt nicht daran erinnern, aber er hatte auch wahrlich auf anderes zu achten gehabt. Gal behielt recht. Ein Schild am Straßenrand besagte, dass die Einfahrt zum „Malibu Azur Motel“ in Kürze zu erwarten sei.

„Hast du eigentlich“, fragte Gal nachdenklich, „Schlosser mal sprechen hören?“

Sie fuhr ein wenig unkonzentriert und ruckig.

„Nein.“ Mann war verblüfft. Auf die Idee war er noch nicht verfallen: Schlosser selbst konnte die „Stimme“ sein!

Aber dann hätte Gal ihn doch erkennen müssen!

„Ich denke …“, setzte Mann vorsichtig an.