6.4

Zu allem Übel war er gestern so intelligent gewesen, von seinen Plänen zu plaudern. Sollte Schlosser der Erpresser sein, war er jedenfalls gewarnt. Doch dem silberschopfigen Rolls Roycer würde dieses Wissen kaum mehr helfen als Mann das seine.

Gerade hatte er sich entschlossen, ein wenig schneller zu machen, um den Aufbruch der Familie aus dem Restaurant nicht zu verpassen, als ihm zu seiner Überraschung Fritz Schlosser und seine Stieftochter entgegenkamen, einer im Arm des anderen. Wenn die beiden nach Hause in ihren weißen Würfel wollten, waren sie haargenau auf dem falschen Weg.

Mann trat in eine Einfahrt und ließ sie passieren. Dabei sah er, wie die Hand des Stiefvaters auf die gespannte Wölbung der Jeans glitt, in die der Hintern des Mädchens eingeschweißt schien. War Sex im Spiel , lag Gal augenscheinlich immer goldrichtig.

Mann haßte Schlossers satte Selbstgewißheit, wie er fettes Essen haßte. Doch die Gelegenheit war endlich da. Er musste jetzt handeln. Vielleicht ließ es sich jahrelang mit einem Verbrechen leben, aber begehen musste man es schon etwas zügiger.

Er spürte, wie sein Kopf aufhörte zu denken. Die verwaschenen Farben der zweistöckigen Holzhäuser mischten sich vor seinen Augen mit dem grellen Bunt seiner Phantasien. Er lief so schnell er konnte, ohne dass es auffiel.

Keine Minute später hatte er das hellerleuchtete Domizil der Schlossers an der La Palma Ecke Speedway erreicht. Dass mit den Bewohnern dieses postmodernen Bunkers nicht gut Kirschen essen war, wurde auf den ersten Blick deutlich. Besaßen die umliegenden Häuser morsche Gartenpforten, so versperrte hier eine weiße Stahltür den Eingang. Rundherum schützten eine hüfthohe weiße Betonmauer und darüber ein guter Meter milchiges Plexiglas das Gebäude vor neugierigen Blicken und erst recht vor Eindringlingen.