6.4

Der Garten war leer bis auf ein halbes Dutzend Kakteen, die sich aus einer Western-Dekoration hierher verirrt zu haben schienen. Mann rappelte sich auf und suchte nach einem Weg, in das Haus zu gelangen. Er brauchte nicht lange zu suchen. Zu seiner Verblüffung stand die Haustür offen. Sie abzuschließen hatte Schlosser für überflüssig gehalten, wohl im falschen Vertrauen auf die aufwendige Außensicherung. Oder waren Stiefvater und Töchterchen nur zu einem kurzen Abendspaziergang ums Eck ausgegangen und würden jeden Augenblick zurückkommen? In diesem Fall musste Harry Mann sich beeilen. Vielleicht aber wartete Fritz Schlosser auf das Eindringen des bestellten Mörders und bot ihm bewusst diese Gelegenheit ? -…?

Alles war möglich, und auf nichts konnte Mann sich verlassen.

Er betrat die Eingangshalle und sah sich um. Ihr unbestrittenes Prunkstück war eine riesige Palme, deren Wurzeln ein hoher Betonkübel von mindestens drei Metern Durchmesser barg und die hinauf wuchs bis zu dem gläsernen Dach, hinter dem sich der Himmel erahnen ließ. Ihm entgegen führte eine breite marmorne Freitreppe.

Mann hatte schon ein paar Schritte auf sie zu getan, als er in einer Nische am Eingang vier Videomonitore entdeckte, deren Bildschirme das Außentor in Großaufnahme sowie eine Totale der drei offenen Seiten des Eckhauses zeigten. Niemand schlich dort herum.

Unter den Monitoren stand ein Schrank aus schwarzem Schleiflack. Mann öffnete ihn und fand vier langsam laufende Recorder, die das nächtliche Geschehen aufzeichneten. Er ließ die Kassetten auswerfen und verstaute sie in den Taschen seines Jacketts. Die Aufnahmen hätten ihn erledigt. Von jedem der Videos hätte die Polizei sein Konterfei nehmen können.

Während er in den oberen Stock hinaufstieg, zog Mann das Messer aus der Tasche. Der Flur hatte ein halbes Dutzend Türen. Ein seltsamer und ihm doch irgendwie vertrauter süßlicher Geruch lag in der Luft. Er kam aus dem Zimmer hinter der äußersten rechten Tür. Vorsichtig drückte Mann die Klinke hinunter.