6.4

Ihre Hände tauchten aus dem Wasser und schlugen nach ihm. Um die Schläge abzuwehren, musste er das Messer von ihrer Kehle nehmen. Diese Gelegenheit benutzte sie zu dem Versuch, in der Wanne aufzustehen. Kaum gelang es ihm, sie mit seiner freien linken Hand unten zu halten. Ihre wütende Gegenwehr spritzte ihn über und über nass.

„Raus! Ich will, dass Sie verschwinden!“

„Seien Sie ruhig!“

„Raus!“ Maria Schlossers Stimme kippte, so laut schrie sie, und ihre Arme platschten im Wasser, als wollte sie jede Sekunde in die Luft abheben.

Harry Mann musste alle Kraft aufbieten, um die zappelnde Frau in die Wanne zu pressen. Wie eine Gans war sie, dachte er und spürte die Wut in sich hochsteigen, Wut und Verachtung: wie eine sehr fette Gans, die zum Fliegen zu alt und zu schwer war. Oder nein, wie ein Engel, ein abgestürzter Barockengel mit nassen Flügeln. Und so dumm. Viel zu dumm. Sie ließ ihm keine Wahl. Wie es im Himmel aussah, würde sie vor ihm wissen.

Er warf das Messer auf die grauen Marmorfliesen und drückte die nassen Schultern ins Wasser, nun mit beiden Händen, tiefer, so tief er konnte, bis der Kopf unter dem Schaum verschwand.

Es dauerte nicht lange, nur ein paar lange zuckende Sekunden, bis alle Gegenwehr versiegte.

Vorsichtig ließ er los.

Der Körper in der Wanne bewegte sich nicht mehr.

Mann hob das Messer auf und steckte es zu den Videokassetten. Sein Jackett und seine Hose waren nass, als hätte auch er in der Wanne gesessen. Er fühlte sich unwohl. Wenn er erst einmal draußen war, würde er das Jackett ausziehen und über dem Arm tragen. Er wandte sich zum Gehen. Als er die Tür des Badezimmers schloss, war Maria Schlossers Kopf noch immer unter der dichten Schaumdecke verborgen.

Harry Mann war froh, so gut wie nichts von dem nackten Körper gesehen zu haben. Sie war eine Frau, und er liebte die Frauen.