6 Venice sehen…

Das Paar setzte sich. Die Frau zeigte auf den dunstigen Ball der Sonne und dann links auf den strahlendblauen Himmel, an dem schon die weiße Halbkugel des Mondes erschien. Silberschopf langweilte sich sichtlich. Seine Frau sah sich suchend um. Einen Augenblick ruhte ihr Blick auf einer Stelle, die etwas tiefer lag als die Terrasse. Dann ergriff sie die Hand ihres Mannes und küsste sie.

Mann folgte der Richtung des Blickes. Wenn er richtig schätzte, hatte die Frau zu einem geschützten Platz zwischen der Wand des Hauses und der Wand der Felsen gesehen. Dort lehnte die überdimensionale Rücksitzbank eines Straßenkreuzers. Sie war aus hellbraunem zerschlissenen Velours. Er wollte die Kamera gerade sinken lassen, als das Paar wieder ins Bild kam. Silberschopf bewegte sich plump, die Frau eher hastig und dabei sehr gewandt. Die beiden umarmten sich. Als die Frau direkt in Manns Augen zu schauen schien, fühlte er sich ertappt und schwenkte fluchtartig die Kamera.

Die tiefsten Strahlen der Abendsonne fingen sich in den weiten Maschen eines Volleyballnetzes, das zerrissen im Sand verrottete.

Ein Stück höher und der Sucher erfasste die Tochter, die vier-, fünfhundert Meter entfernt die Wasserlinie entlanglief, fast nachdenklich, Sandalen und Strümpfe in der Hand.

Sie war ein ziemlich großes blondes Mädchen von fünfzehn oder sechzehn Jahren. Sie trug ein graues T-Shirt mit der unsinnigen Aufschrift „Def Leppard“, und darunter standen zwei straffe Brüste fast unbeweglich. Die Haut ihrer Schenkel leuchtete rosig.