7 Massaker

Mann fielen die Kiefer in den Schoß. Er konnte es nicht glauben. Er musste sich verhört haben: sein Badewannen-Opfer, die Frau, die sich an einsamen Badebuchten bumsen ließ, ein CDU-MdB? Nein, das konnte nicht stimmen, das hatte er falsch verstanden; ein klarer Fall von mangelnden Englischkenntnissen. Doch dann wurde eine Landkarte von Mitteleuropa eingeblendet, die dem durchschnittlichen Angelino erläuterte, wo dieses exotische Parlament tagte, und damit war wohl jeder Zweifel beseitigt.

Mann öffnete eine weitere Flasche „Miller Light“, die vierte. Er saß entschieden tiefer in der Scheiße, als er je gedacht hätte. Kein Wunder, dass die Bullen in Venice einen solchen Aufstand veranstalteten. Und mit Sicherheit weiterhin veranstalten würden … Soviel er wusste, wurde in Kalifornien noch die Todesstrafe verhängt! Er musste sich überlegen, wie er am schnellsten aus den USA herauskam.

Der Bericht über den Mord wurde durch Werbung für Weight-Watcher-Tiefkühlkost unterbrochen. Maria Schlosser hätte das sicher als üblen Zynismus empfunden. Aber wo sie war, gab es keine Gefühle mehr.

Dann erschien der optimistische Jüngling wieder auf dem Bildschirm und verkündete die neuesten Einsichten der ermittelnden Behörden, des FBI und, Mann hatte beim Eintreffen der zweiten Kolonne tatsächlich richtig geraten, der deutschen Sicherheitsbehörden: Terroristische Hintergründe vermutet!

Harry Mann schüttelte ungläubig den Kopf. Das war einfach zuviel des Schwachsinns, diese weite Welt war hochgradig albern, viel alberner, als er es sich aus seiner Berliner Hinterhofperspektive je vorgestellt hatte. Da ließ ein in jeder Hinsicht gieriger Ehemann seine alternde Lady liquidieren, und die katastrophensüchtigen Medien machten daraus ein Politikum! Terrorismus! Wenn es das mal gewesen wäre! Diese Variante hätte ihm selbst entschieden besser gefallen. Mord aus politischen Motiven: Pustekuchen.

Wenn es nicht so traurig gewesen wäre, hätte Mann sich totlachen können.