7.2

„Was soll ‘n schönes reiches Mädchen schon groß tun, wenn es gerade fünfunddreißig geworden ist und deshalb den Katzenjammer hat und sich obendrein haufenweise mit schlechter Gesellschaft umgibt?“ sagte der alte Mann gleichgültig, und seine langen, dreckigen Fingernägel spielten klick, klick auf dem Metall der Maschinenpistole. „Die Dame liegt tagein, tagaus nackt inner Sonne rum, säuft viel, bumst ‘n bisschen. Und da wird sie nicht extra ‘ne Ausnahme von machen, nur weil ‘n Schlaumeier wie Sie daherkommt.“

Mann nickte verständnisvoll und versteckte sich wieder hinter der Sonnenbrille, einem amerikanischen Fliegermodell, das er an seinem ersten Tag in Venice erstanden hatte. Dann nahm er den Fuß von der Bremse und rollte im Schritt-Tempo die Auffahrt hinauf, an einem Tennisplatz und einer Mini-Mehrzweckhalle vorbei und in einer weiten Schleife um den kreisrunden künstlichen Fischteich, bis vor das Portal des Haupthauses, auf dessen Dach viele Quadratmeter hässlichster Sonnenzellen installiert waren. Wahrscheinlich wurde mit ihrer Hilfe die Gluthitze wieder wegklimatisiert, die das unsinnige Treibhausdesign ins Innere des Glaspalastes dringen ließ.

Seinen bescheidenen Mietwagen parkte Mann zwischen einem zitronengelben Porsche Targa, einem pechschwarzen Jaguar und einem tarngrünen Samurai-Jeep, die kreuz und quer die Auffahrt blockierten.

Als er den Motor abstellte, vernahm er zum ersten Mal die Stille. So war Einsamkeit. Er blieb sitzen und lauschte dem Rauschen der Ruhe. Eine friedliche Welt. Welch wunderbare Sinnestäuschung.