7.3

Als Mann sich mit dem Rücken an die Wand lehnte, machte sie zwei schnelle Schritte zu der Pistole, die er hatte fallen lassen, und hob sie auf. Karin Bock schien zu zögern. Plötzlich wusste Mann, was sie tun würde.

Sein „Nein!“ und der erste Schuss fielen zur selben Sekunde.

Karin Block schoss fünfmal, und bei jedem Schuss bewegte sie sich ein Stück weit auf Staatssekretär zu. Sie tötete nicht, sie richtete hin.

Aus unerfindlichen Gründen fühlte sich Mann mit den Nerven am Ende. Ihm war, als wäre der ohnmächtige Mann dort unten, unendlich entfernt auf der Lichtung des giftgrünen Bodens, der erste Mensch, den er im Augenblick des Todes sah. Jeder Einschlag in das Fleisch hinter der weißen Stoffhaut ließ ihn würgen. Seine Knie zitterten. Doch konnte er nicht wegschauen. Etwas faszinierte ihn. Warum waren die Augen in Staatssekretärs frisch rasiertem Gesicht plötzlich so weit offen? Es schien, als ob der Kopf nicht zu dem blutüberströmten Körper gehörte. War da ein Lächeln?

Karin Block beugte sich zu der Leiche hinunter. „Mistkerl, verdammter Mistkerl …“, sagte sie mit ruhiger Stimme.

Dann spuckte sie in die offenen Augen.

Aber es half nichts. Kein Muskel reagierte mehr. Ihre Rache fand keinen Gegner.

Karin Block wandte sich ab. „Was jetzt?“

Ihr fast gleichgültiges Gesicht blickte zu der alten Frau mit der Maschinenpistole. Ihn, ihren Retter, beachtete sie nicht.

Da erst erkannte Mann, dass er Zeuge eines Mordes geworden war, ein potentieller Erpresser oder Denunziant, den die Täter nicht leben lassen konnten.

„Paps ist tot“, sagte Mamma und rührte sich nicht.

Die beiden Frauen blickten einander an, Auge in Auge, und es sah aus, als würden jeden Moment aus allen vier Augen die Tränen hervorbrechen.

Mann tastete nach dem Messer in der Innentasche des Jacketts. Er hatte kaum eine Chance, aber besser so als anders. War jetzt der Zeitpunkt gekommen zu sterben?