7.3

„Doch der hier kann nichts dafür …“ Karin Block sprach mit einem konzentrierten, eindringlichen Tonfall wie zu einem kleinen Kind. „Im Gegenteil, er hat mir das Leben gerettet, und er hat auf den Scheißkerl da geschossen. Er hat jetzt nur Angst vor uns. Aber wir brauchen keine Angst vor ihm zu haben, Mamma. Er wird uns nichts tun. Warum auch?“

Mamma rührte sich nicht. Sie starrte Mann überrascht und böse an. „Paps ist tot“, wiederholte sie.

Sie tat ihm leid. „Die Welt ist voller Gewalt“, sagte er, und obwohl er es ernst gemeint hatte, klang es ironisch.

Die rechte Hand der Alten verkrampfte sich um die Maschinenpistole.

„Mamma!“ sagte Karin Block scharf. Sie schrie es fast.

„Nicht genug Gewalt“, zischte Mamma, und dann ruhiger: „Noch lange nicht genug.“

Sie warf den beiden aus ihren alten Augen einen gehässigen Blick zu, drehte sich plötzlich um und feuerte durch das offene Fenster hinaus in die Auffahrt; fetzte die Rinden der Palmen auf, während ihr feister Leib die Stöße der Waffe abfing; rasierte die Blüten von den Blumen, jagte die Vögel in Todesangst auf, ließ das trübe Wasser in dem künstlichen Fischteich tanzen.

Als das Magazin endlich geleert war, schienen Mammas Schultern, erschöpft wie nach einem lebenslangen Krampf, kraftlos in sich zusammenzusacken.

In Manns Kopf hallten die Schüsse noch sekundenlang nach, bis sich wieder das Rauschen der Stille darüberlegte.

„Das reicht“, sagte Karin Block in die Stille hinein. „Verschwinde, bis du dich beruhigt hast!“

„Nein!“ sagte Mann. „Sie lassen die Waffe fallen und stellen sich mit dem Gesicht an die Wand.“

Mamma tat es. Alle Kraft schien aus ihr gewichen zu sein. Rückwärts trat sie zu der Wand neben der Eingangstür und drehte sich um.