7.3

Während Mann ihm folgte, überlegte er, wo er diesen Edel-Schnorrer, diese bundesdeutsche Version des Mitessers, schon getroffen haben könnte. Plötzlich meinte er es zu wissen: Nicht ihn, den Typ kannte er. Der Schönredner musste mal eine Tagesschau gesehen haben, in der zu viele Staatssekretäre aufgetreten waren. Seitdem imitierte er sie.

Die Terrasse, auf die Mann von ihm geführt wurde, war Teil eines großzügig angelegten Gartens, der sich bis unmittelbar zum Rande des Canyons erstreckte und von einer hüfthohen Hecke eingefasst wurde. Ein anderes Haus war weit und breit nicht zu sehen, und die Aussicht ging weiter, als das Auge reichte, mit einem guten Fernglas wahrscheinlich bis zum Stillen Ozean, der in zwanzig Meilen Entfernung an die Küste stieß.

So ziemlich in der Mitte der Terrasse und ziemlich dekorativ hatte sich ein wohl gebautes Stück weißes Fleisch recht nackt hingegossen und nutzte die letzten Strahlen der Sonne aus. Die Beine der Frau lagen gespreizt, und die winzige silberne Bikinihose schnitt ein wenig in die Schenkel und gab einen Flaum heller Haare frei. Noch etwas heller als der weiße Rest des Körpers waren die schmalen Brüste. Mann mochte, wie sie sich nach links und rechts verschoben hatten. Karin Block schien zu schlafen. Über das Gesicht hatte sie die neueste Ausgabe des „Spiegel“ gelegt. Das Titelbild zeigte einen anderen Mädchentorso, der in Schwarz-Rot-Gold glänzte und dem ein stark geschminkter Adlerkopf anmontiert war. „Ist die Republik käuflich?“ fragte die Schlagzeile.

Für Mann war das keine Frage, nur das nötige Kleingeld fehlte ihm. Ganz im Gegensatz zu der Besitzerin dieses kalifornischen Palastes.

Mann sah sich bewundernd um. Die Terrasse besaß die Ausmaße von mindestens zwei Dutzend Sozialwohnungen, der Pool war kein Bad, sondern ein Vermögen wert, und selbst die Sonne, die am Horizont rotglühend vom Himmel herabtauchte, schien ihm mehr, als er sich leisten konnte.

„Karin?“ sagte Staatssekretär halblaut. Er ging zu der Liege und hob die Zeitschrift hoch. Die Frau rekelte sich und schlug die Augen auf. Staatssekretär blickte sie aufmunternd an: „Karin, bitte, Harry Mann ist da.“

Die Frau sah kurz zu dem Ankömmling herüber, dann stand sie auf. Ohne jedes Anzeichen von Verlegenheit schüttelte sie ihre schulterlangen blonden Haare und kam ihm ein paar Schritte entgegen. Wenn’s ihr egal war, konnte es auch ihm egal sein, dachte Mann. Er musterte ungeniert die nicht ganz festen, spitz zulaufenden Brüste, den straffen Bauch und die kräftigen Schenkel.

Die schönste aller Frauen war sie nicht, aber sie war eine Frau, und er war seit Tagen überfällig.

„Ich freue mich, Sie kennenzulernen.“ Sie streckte ihm ihre Hand entgegen.

„Darf ich vorstellen …“, sagte Staatssekretär. Er zeigte auf Harry Mann: „Herr Mann.“ Er zeigte auf die weiße Schönheit: „Frau Block.“