7.3

Wie absurd die Situation war, kam Harry Mann erst später ganz zu Bewusstsein. Denn in diesem Augenblick, als ihm Karin Block beide Hände hinstreckte, erinnerte er sich, woher er Wineck kannte. Er hatte sein Foto auf der Titelseite der „BZ“ gesehen, vor ein paar Tagen erst, als Wineck aus irgendwelchen Gründen irgendetwas aufgegeben hatte. Wahrscheinlich war er wirklich Staatssekretär.

Karin Block knetete die fünf Finger der rechten Hand ihres Gastes, dann griff sie sich einen Bademantel aus dunkler Seide und verhüllte, was inzwischen Manns ungeteilte Aufmerksamkeit gefunden hatte. Der schönredende Staatssekretär lief schließlich nicht weg.

„Herr Wineck hat Ihnen erklärt, warum wir Sie haben rufen lassen?“

Harry Mann schüttelte den Kopf.

Karin Block gab Staatssekretär ein Zeichen, der daraufhin im Haus verschwand.

Die beiden verloren keine Zeit. Mann hatte gerade an seinem Campari mit Orangensaft genippt, den ihm seine blonde Gastgeberin gerührt hatte, da hielt ihm Staatssekretär schon einen Diplomatenkoffer aus rostrotem Leder hin. Er öffnete das Zahlenschloss, klappte den Koffer ein Stück weit auf und ließ Mann einen Blick in das halbleere Innere werfen.

„Hunderttausend Mark, wie immer. In Dollar natürlich“, sagte Staatssekretär leichthin, als wäre er seit Jahren illegale Geschäfte gewohnt, bei denen kleine Koffer mit größeren Summen die Hauptrolle spielten.

„Wie immer?“ Mann stellte sich, als wisse er nicht, was die beiden damit meinten. Übermäßig viel Verstellung gehörte nicht dazu.

„Ihr übliches Honorar“, circte die Blonde, „für einen Mord.“

„Sie sind verrückt“, sagte Mann und ließ sich in einen Korbstuhl sinken, von dem aus man den Sonnenuntergang beobachten konnte. Augenscheinlich hielten ihn die beiden für eine Art Profi-Killer. Die Sache gefiel ihm nicht.

Das eigentümliche Pärchen schwieg und starrte ihn an. Viel Kapital, wenig Hirn.