7.3

Aber sehr viel klüger verhielt er sich auch nicht. Er hätte die beiden nach der „Stimme“ aushorchen sollen und sehen, wie er dann möglichst schnell und möglichst heil an Leib und Seele aus Shangri-La rauskam. Stattdessen suchte er nach dem einfachsten und ungefährlichsten Weg, die Kohle zu kassieren.

„Gesetzt den Fall, ich wäre, für was Sie mich halten“, sagte er ganz langsam, um die beiden nicht zu überfordern, „müsste ich dann nicht auf ein bisschen mehr Vorsicht und Diskretion Wert legen?“

„Für das ganze Trarara war keine Zeit“, sagte die Frau schnell.

Ihr Gesicht schien ihm zu jung und die Haut ein wenig zu weiß für das Antlitz einer reichen Erbin von fünfunddreißig Jahren, die es sich tagein, tagaus in der Sonne gut gehen ließ.

„Immerhin“, schaltete sich Staatssekretär ein, „halten wir die zukünftige Leiche hier schon eine ganze Weile unter Verschluss!“

„Hier?“ Harry Mann war sprachlos. Die hemmungslose Direktheit irritierte ihn. Wozu brauchten sie ihn noch, wenn sie das Opfer schlachtreif parat hatten?

Staatssekretär bemerkte seine Verwirrung und nutzte die Gunst dieser Sekunden. „Kommen Sie bitte mit!“

Wieder schritt er voraus, gelassen und gemessen, jeder Zoll ein Staatsmann, als ginge es nicht um Mord, sondern nur darum, einen Vertrag über gegenseitige Zusammenarbeit bei der grenzüberschreitenden Insektenvernichtung zu ratifizieren.

Von der Terrasse gelangten sie in einen hohen vierzig, fünfzig Quadratmeter großen Saal, der mit rötlichen Marmorplatten ausgelegt war. An den weißverputzten Wänden hingen ungemein bunte Ölbilder, linker Hand stand eine samtblaue Sitzgruppe, zur Rechten gab es einen dunkelroten Esstisch mit klobigen, hochlehnigen Stühlen. Im hinteren Teil, in der Nähe der Flügeltür zur Halle, lockte eine Bar mit sechs Chromhockern, deren Sitzflächen mit blauem Leder bezogen war. Zwischen diesen drei Sektoren lag reichlich Niemandsland, das Staatssekretär zügig durchquerte.