7.5

Die Rokoko-Kommode unter dem Schminkspiegel schien ihm das am besten geeignete Versteck. Als Kind hatte Harry Mann einmal im Fernsehen gesehen, wie ein Schakal sich durch ein totes Zebra fraß. Genauso fühlte er sich jetzt, als er Dori’s Wäsche durchwühlte. Vergeblich.

Zwei Fächer der Kommode waren abgeschlossen. Mit dem Absatz trat er das jahrhundertealte Holz der Seitenwände ein. Und da lag ein kleiner Radio-Walkman mit Kassettenteil. Er fischte das Gerät durch die zersplitterte Öffnung und spulte die Kassette ein Stück zurück.

„Das war unnötig“, plärrte Karin Blocks Stimme aus dem Lautsprecher. „Los“, hörte er sich selbst sagen, „jetzt sind Sie dran. Und tun Sie’s lieber gleich richtig, sonst kriegt die Alte noch’n weichen Kopf.“

Er stoppte den Recorder. Das Gerät schaltete sich auf Geräusche hin ein und hatte bei dem Kampf im Schlafzimmer prompt mit der Aufzeichnung begonnen. Irgendwo auf diesem Band musste auch Paps seiner Chefin vorschlagen, ihr kleines Problem von einem Idioten namens Harry Mann lösen zu lassen. Wobei ihm allerdings schleierhaft war, welche Verbindung zwischen dem strohblöden Paps und der „Stimme“ bestand.

Er spulte weiter zurück.

„Geben Sie die Kassette her!“ sagte Karin Block in einem befehlsgewohnten Kasernenhofton, den er ihrem sanften Gesicht nicht zugetraut hätte. „Die Aufnahmen gehen Sie nichts an!“

Er würdigte sie keiner Antwort und stoppte das Band wieder. Die Geräusche, die er jetzt hörte, waren eindeutiger Natur. Karin Block liebte es lauter. Warum sie mit diesem Baby-Face-Ekel von Staatssekretär ins Bett gestiegen war, blieb ihm ein Rätsel.

„Her damit!“ brüllte hinter ihm dieselbe Frau, die auf dem Band vor Lust fast schrie. Er schaltete ab und spulte weiter zurück.