7.5

Karin Block zog die Augenbrauen hoch und strahlte ihn stumm an. Wahrscheinlich hielt sie das für neckisch. Und wahrscheinlich spielte sie nur nach, was ihr Frauen in zahllosen tollen Filmen vorgespielt hatten.

Höchste Zeit für ein bisschen Wirklichkeit in diesem Traumschloss, dachte Mann. Ohne auszuholen, schlug er Karin Block seine Faust ins Gesicht. Ihr Kopf flog zurück und stieß gegen das Spiegelregal mit den Flaschen. Blut tropfte aus ihrer Nase. Aber sie schrie nicht.

„Du bist verrückt“, sagte sie ruhig, vollkommen ruhig. „Wie Wineck. Nur noch verrückter.“

„Mamma tut mir leid“, sagte er, als tränken sie gemütlich ein Gläschen. „Es muss fürchterlich für sie sein; nach soviel Jahren plötzlich allein, der Mann tot, mit dem …“

„Ach, hör doch auf.“ Karin Block wischte sich das Blut mit einer Serviette aus dem Gesicht. „Die haben ihre alten Bettpartner schon vor einer halben Ewigkeit unter die Erde gepackt. Von denen könnte ich dir einiges erzählen …“

„Tu das. Für den Anfang vielleicht besser als gar nichts …“

„Okay.“ Karin Block schnappte sich ihr Glas und ließ die Eiswürfel klingeln. „Es waren einmal eine Witwe und ein Witwer“, begann sie in einem Gutenachtgeschichten-Ton, bei dem nur irritierte, dass sie immer wieder das Blut in ihrer Nase hochziehen musste, „zwei richtig nette alte Menschen, die waren beide um die Siebzig und hatten noch nie voneinander gehört. Beide vögelten sich mit ihren üppigen Pensionen durch die Rentner-Puffs auf Mallorca und an der Costa del Sol, bis sie sich eines Tages, vor ungefähr drei Jahren, bei einem dieser Tanztees trafen und in der Nacht, als sie besoffen aufeinanderlagen, feststellten, dass sie blendend zueinander passten. Er bei der Gestapo und Weltkriegsheld im Osten, später dann Kripo-Kommissar; sie irgendwie auch am Endsieg beteiligt und begeisterte Kunstschützin. Beide Waffenfetischisten, reichlich gemeinsame Erinnerungen. Da haben sie halt ihre Pensionen und ihre Gelüste zusammengelegt.“