7.5

„Genieße deine letzten Stunden!“ sagte Karin Block leise. Sie schien in dem wuchtigen Sessel zu versinken. Ihre Augen folgten ihm ein paar Sekunden voller Hass. Dann verbarg sie ihr Gesicht in den Armen und begann lautlos zu weinen.

Harry Mann aktivierte den Bildschirm des Computers und stellte ohne Überraschung fest, dass das Adressenprogramm bereits gestartet war. Natürlich hatten sich hier Wineck und Dori schon vor ihm auf die Suche begeben.

Mann tippte den Suchbefehl für „Herlois“ ein und fand „Pater Thomas Herlois, ‚Europäischer Verein zur Förderung grenzüberschreitenden Denkens‘; Geschäftsführer“. Es folgten eine Adresse am Ku’damm und zwei Berliner Telefonnummern. Der Name des Vereins kam Mann bekannt vor, er erinnerte sich, ihn ein paar Mal in den Nachrichten zur öden Spendenaffaire gehört zu haben. In dem Feld „Notizen“ war zusätzlich eine Anschrift in Los Angeles angegeben: „Pinewood Apartments, # 156, 7676 Sepulveda Blvd, CA 90025. 213-8386726“.

Einer plötzlichen Eingebung folgend, blätterte Mann die imaginären Adresskarten auf dem Bildschirm weiter durch. Die Datei war alphabetisch sortiert, und so stieß er wenige Mausklicks später auf „Irene Hexter“. Zu ihrem Namen waren drei Anschriften verzeichnet, je eine in Berlin, Hamburg und hier in Los Angeles.

Mann gab einen weiteren Suchbegriff ein und fand, was er erwartet hatte: „Gallathea und Rudolf Kelling“, dazu die Adresse und Telefonnummer in Konradshöhe.

Mechanisch blätterte er weiter. Nach sechs, sieben weiteren Klicks tauchte der Namen des Bundeskanzlers auf.

Nicht, dass ihn das wirklich überraschte. Genaugenommen hätte es ihn verwundert, wenn der Name in dieser Liste fehlen würde. Beweisen tat sein Fund zudem gar nichts, schließlich durfte man noch miteinander telefonieren, ganz privat von mächtiger Mann zu reicher Frau. Trotzdem, der Name des Kanzlers, über den er sonst nur lachte, erschreckte ihn; nicht aus moralischen, sondern aus ganz anderen, praktischen Gründen: Immer mehr fühlte er sich als Leiche auf Abruf.