7.5

„Reicht das?“ fragte Karin Block in seinem Rücken. Aus ihrem geschwollenen Mund klang es ziemlich zahnlos.

„Danke ja.“ Er drehte sich zu ihr um und grinste sie wieder an.

Ohne auf ihre Flüche zu achten, schob er sie die Treppe hoch und in das Schlafzimmer. Dort fesselte er sie mit Stoffgürteln aus dem Kleiderschrank und stieß sie auf den Boden, direkt neben Winecks fahles Gesicht.

Harry Mann wusste, dass er sie töten musste. Beide, sie und Mamma.

Von dem giftgrünen Teppich blickte Karin Block angsterfüllt zu ihm hoch. Sie sagte nichts. Sie konnte sich ausrechnen, was er überlegte: Wenn er sie jetzt leben ließ, würde sie keine Ruhe geben, bis er, der Zeuge ihres Verbrechen, aus der Welt geschafft war.

Harry Mann zog Winecks Winzpistole aus der Jackettasche, bückte sich und setzte die Mündung an Karin Blocks Schläfe.

Sein Opfer sah ihn nicht an. Karin Block hatte die Augen geschlossen und lag bewegungslos da, als wäre sie schon tot.

Um sich aus der Blockschen Falle zu befreien, brauchte es nur eine kleine Krümmung seines Fingers. Doch Harry Mann spürte, dass er es nicht tun konnte. Er brachte es nicht über sich. Er konnte Karin Block nicht töten. Er konnte überhaupt niemanden mehr töten. Und erst recht nicht sie. Dafür war sie einfach viel zu schön.

„Ich hoffe“, sagte er, „du wirst dich mal an das erinnern, was ich jetzt nicht tue.“

Mann ließ die Waffe fallen und richtete sich wieder auf.

Karin Block reagierte nicht. Ihre Augen blieben geschlossen.

Vielleicht war sie ohnmächtig geworden, vielleicht traute sie Harry Mann nicht. Ihm war es egal.

Dass er sie nicht töten konnte, hatte nicht wirklich mit ihr zu tun. Es war ein erster Schritt, ein ungeschickter erster Schritt auf seinem Schleichweg aus der Schuld in die Freiheit.