8 Ein schwarzer Heiligenschein

Der kleine Vorgarten war von der öffentlichen Grünzone durch eine dichte, fast eckig geschnittene Hecke abgetrennt und von außen kaum einsehbar. Durch einen Spalt in der Gardine am Ende der vier, fünf Meter langen Fensterfront konnte Harry Mann in das Innere des Apartments blicken.

In einem modernistischen Sessel aus hellbraunem Leder und schwarzem Metall saß ein fetter älterer Herr, sein grobes Gesicht beleuchtet von dem gelben Licht einer Stehlampe. Er steckte in einer grünblau karierten Hose und einem glitzrigen schwarzen Seidenhemd, in dessen Brusttasche eine gelbe Blume platziert war. Selbst im Haus hatte er seinen wagenradgroßen Strohhut nicht abgesetzt, wie Harry Mann ihn nur aus Western kannte, wo mexikanische Bösewichte ihn zum Zeichen dafür trugen, dass sie mexikanische Bösewichte waren.

Trotz seines exotischen Äußeren meinte Harry Mann, diesen Herlois aus Deutschland zu kennen. Nur wo er ihn schon einmal getroffen hatte, wollte ihm nicht einfallen.

Der Mund des fetten Herrn sagte etwas und lächelte dabei ein schmales Lächeln, würdig eines Folterspezialisten, der das Unrecht unverrückbar auf seiner Seite weiß: lüstern und überlegen. Soweit Mann es erkennen konnte, hatte er allen Grund dazu.

Auf den zusammen geschobenen Lederpolstern der Sitzlandschaft rekelte sich ein sehr jugendlicher Knabe. Er trug einen goldenen Ohrring und ein lustloses Lächeln zur Schau. Darüber hinaus war er nackt, spindeldürr, im Zweifelsfall aus gutem Hause und bestimmt Fixer. Er hatte die Schenkel gespreizt und wühlte mit beiden Händen zwischen seinen Beinen.

Die Szenerie hatte etwas Römisches. So musste es in Pompeji zugegangen sein, an dem Abend, als mit der heißen Lava das Ende aller Freuden kam. Heute nannte man das Beschaffungsprostitution.

Der fette Herr sprach unablässig auf den Knaben ein. Dessen Körper bewegte sich allmählich heftiger, und zwischen den Händen wuchs ihm sein Glied.