8.2

Harry Mann setzte sich in den modernistischen Ledersessel, von dem aus der fette Pater seinen Jüngling beobachtet hatte, und griff nach der Cognacflasche. Zuviel war passiert, er musste nachdenken, mit jemandem reden. Er lebte in Zeitlupe. Er stand auf und holte sich ein frisches Weinglas aus der offenen Küchenbar. Er musste Gal um Rat bitten.

„Woher“, fragte er, als er sich wieder gesetzt hatte, „kanntest du diesen Kerl?“ – „Das würde ich nicht verstehen? Meine Liebe, ich glaube, du wolltest mich hereinlegen!“ – „Sicher, du hast mich gerettet. Aber war das der Grund, weshalb du gekommen bist? Und warum hast du so plötzlich die Fronten gewechselt?“

Gal gab ihm keine Antwort, keine jedenfalls, die ihn befriedigt hätte. Harry Mann leerte das Glas in einem Zug. Vielleicht würde er in dem Apartment einen Hinweis finden.

Er begann damit, die Schubladen der Schränke im Living room, in der Küche und im Schlafzimmer zu durchsuchen. Es war eine einfache Aufgabe. Die meisten waren leer. Lange schien Pater Herlois hier noch nicht zu wohnen.

Die Brieftasche, die in dem Jackett an der Garderobe steckte, enthielt einen Haufen Kreditkarten und eine California Driver’s License. Den deutschen Führerschein, den Reisepass und das Ticket für den Flug von Berlin via Frankfurt nach Los Angeles fand Mann in einer abgeschabten Aktentasche in dem begehbaren Kleiderschrank des Schlafzimmers. Alle Dokumente waren auf den Namen Herlois ausgestellt. In dieser Hinsicht hatte der fette Pater eine durch und durch legale Existenz geführt.

Mann nahm sich das Bargeld, neunhundert Mark und knapp zweitausend Dollar jeweils in Hundertern, sowie eine der Visitenkarten und warf die Brieftasche zu den anderen Papieren in den Koffer.

Wo war Gals Kleidung, wo ihr Ausweis, ihr Geld?

Mann sah in dem Wäschewagen nach, ohne etwas zu entdecken, das nicht auf einen solchen Wäschewagen gehört hätte.