8.2

In der linken Seitentasche des blauen Hängers, den Gal trug, stieß er lediglich auf ein längliches weißes Streichholzheftchen. Es stammte aus einem Restaurant namens „Spago“, der Schriftzug sah teuer und sehr schick aus, und selbst die Streichhölzer waren vierfarbig Ton in Ton gestylt.

Das Etablissement mit der Sunset-Adresse schien kaum der richtige Platz für das unbekannte Zimmermädchen, dem der Kittel gestohlen worden war. Mann stellte sich vor, wie Gal in diesem „Spago“ gegessen hatte. Mit wem?

In der zweiten Seitentasche steckte der Schlüssel zu einem Mietwagen mit der internen Kennzeichnung „X89081-6“. So konnte er den Wagen nicht finden. Zu lange müsste er dafür in der Tiefgarage herumsuchen und Türen ausprobieren; lange genug, um der Security aufzufallen.

Kurz vor drei Uhr morgens war es inzwischen; Donnerstag Mittag in Berlin. Mann ging zu dem Wandtelefon bei der Küchenbar und wählte die Nummer, die auf Herlois’ Visitenkarte angegeben war.

„Europäischer Verein für grenzüberschreitendes Denken, Chefsekretariat“, meldete sich in rauschender Ferne eine berlinernde Frauenstimme.

Mann fragte nach Herlois und erfuhr, dass der Pater auf Dienstreise sei und nicht vor Anfang nächster Woche zurückerwartet werde. Nein, keine Nachricht, er würde sich wieder melden.

Mann hängte ein.

Was sollte er tun?

Das Apartment war übersät von seinen Fingerabdrücken. Und konnte er Gal hier einfach so liegenlassen? Nur Tiere taten das. Seit Anbeginn aller Zeiten beerdigten Menschen ihre Toten, bevor sie weiterzogen.

In einem der Küchenschränke fand er einen Stapel der braunen Papiertüten, in denen man seine Supermarkt-Einkäufe nach Hause trug. Er verteilte sie über den Living room und das Schlafzimmer. Dann ging er zurück zu den hellbraunen Lederpolstern, um sich von Gal zu verabschieden. Von seiner toten Liebe.