8.2

„Ich habe dich erwartet, allerdings erst etwas später.“

Der fette Pater schien zufrieden mit sich und der Welt.

„Ich weiß nicht, wovon Sie reden.“

Mann versuchte, ein beleidigtes Gesicht aufzusetzen, und machte einen Schritt vorwärts.

„Hören Sie, ich habe mich im Apartment geirrt, Ihre Tür war nicht abgeschlossen. Es tut mir leid, und ich entschuldige mich dafür. Aber das ist noch lange kein Grund, mich mit einer Schusswaffe zu bedrohen …“

Während er der unsicheren Ansprache seines Gastes sichtlich amüsiert folgte, legte der fette Pater, die Zeitung auf der Küchentheke ab.

Mann wagte einen weiteren Schritt. „Also, lassen Sie mich jetzt vorbei, und ich will die Sache vergessen.“

„Bleib stehen!“ Herlois schob die Hand mit der Pistole ein Stück vor und holte tief Luft: „Das gibt sonst ein kleines ekliges Loch in deiner Stirn.“

Seine Stimme war plötzlich piepsig, sie klang gemein, und sie hatte einen amerikanischen Akzent.

Sofort wusste Mann, wer dieser fette Pater war. Es hatte keinen Sinn, weitere Ausflüchte zu machen; die Lage war hoffnungslos. Herlois war sein Erpresser! Die „Stimme“ alias Pater Herlois, Geschäftsführer eines obskuren „Europäischen Vereins zur Förderung grenzüberschreitenden Denkens“.

Harry Manns Gedanken liefen Amok, und alle Erinnerungen schossen zusammen: Herlois war der schnaufende ältere Herr gewesen, der auf der Toilette von Berlin-Tegel neben ihm gepinkelt hatte, kurz bevor der Punkie auftauchte und ihn zur Spazierfahrt mit Irene Hexter entführt hatte! Und sein Gesicht auch hatte Mann bei der Ankunft in LAX in dem sich schließenden Fenster der Limousine gesehen! Jeden seiner Schritte hatte Herlois beobachtet, ihn ferngesteuert. Endlich hatte Harry Mann seinen Erpresser gefunden. Und war ihm prompt in die Falle gegangen.