8.2

Herlois war gewarnt worden. Der Anruf vorhin, das musste die Warnung gewesen sein. Nur, wer hatte angerufen? Niemand außer Karin Block konnte ahnen, dass Harry Mann hierherfahren würde.

Niemals hätte er sie leben lassen dürfen.

„Ich freue mich, dich persönlich kennenzulernen.“

Herlois’ verstellte piepsige Erpresserstimme drang in Manns Gedankenflut und teilte sie in Resignation und Wut. Der fette Pater wollte ihn töten; und er würde ihn töten. Mann hatte sich so plump hereinlegen lassen, wie es nur möglich war. Obendrein wurde er jetzt von seiner eigenen Angst überrumpelt.

„Du bist ein lausiger Amateur, mein Junge“, sagte Herlois wieder in seinem normalen Tonfall, „und ich will verdammt sein, wenn du noch viel Gelegenheit haben wirst, dazuzulernen.“

Er winkte Mann lässig mit der Pistole auf die Polster. Dann holte er sich die Cognacflasche und das Weinglas und setzte sich ihm schnaufend gegenüber.

„Freust du dich gar nicht, Harry? Bist immerhin seit Wochen hinter mir her …“

Mann schwieg.

„Ich darf dich doch Harry nennen?“ sagte Herlois. „Schließlich sind wir gute Bekannte.“

Mann nickte. Es kam jetzt ohnehin nicht mehr drauf an.

„Also, Harry, du wirst es mögen“, sagte der fette Pater, zog das Handtuch zwei Fettfalten höher über den Bauch und goss sich Cognac nach. „Wir warten, bis sie draußen am Pool das Licht abschalten. Punkt zwei Uhr. Es wird dich nicht mehr stören, dass das Wasser zu stark gechlort ist.“ Herlois prostete ihm zu und trank einen tiefen Schluck: „Aber was erzähle ich dir, du weißt doch viel besser als ich, wie erfrischend ein nächtliches Bad sein kann, nicht wahr? Du warst dabei, als der gute alte Kelling abtauchte.“